Kategorie „50plus/Traumzielgruppe“

  1. Zeit

    Veröffentlicht am 29. Dezember, 2015 von Carola Wiegand

    Warum vergeht die Zeit schneller, wenn wir älter werden?

    Foto: C. Wiegand

    Foto: C. Wiegand

    Obwohl die Zeit objektiv einfach zu messen ist, spielt uns ihre persönliche Wahrnehmung uns nicht selten merkwürdige Streiche. Sie ist kompliziert und trügerisch. Trotz aller genialen Sinnesorgane fehlt uns jenes, um die Zeit zu messen, so dass sie individuell sehr unterschiedlich empfunden wird. Warum glauben so viele, wenn man älter wird, vergeht die Zeit immer schneller? (more…)


  2. Damals gab’s das nicht!

    Veröffentlicht am 22. August, 2014 von Carola Wiegand

    Von Vergangenem und Verflossenem

    schriftblatt1Ich bin eine Freundin des modernen Lebens und halte nicht sehr viel von Sprüchen wie: Früher war alles besser. Das einzige, was früher besser war, ich war jünger.
    Eine andere, nostalgische Rückschau hält keiner seriösen Analyse stand, sagt der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt. „Zu keiner Zeit war die Kindersterblichkeit geringer und die Lebenserwartung höher als heute. Ob die Emanzipation der Frauen, die medizinische Versorgung, Bildung oder Kommunikation, die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Paaren, die Meinungsfreiheit und der allgemeine Lebensstandard, heute ist alles besser.“
    Damit, so könnte man meinen, ist jeglicher Verklärung der Vergangenheit der Boden entzogen. Dennoch „beschwören“ viele die alten Zeiten und behaupten das Gegenteil. Warum nur? Vergangenes und Verflossenes wird verherrlicht und mit einem „goldenen Schleier“ umhüllt. Das Gestern wird zum Eldorado des „Besseren“. Nostalgisches Lamento lässt sich noch einigermaßen ertragen, ohne Jammern oder Nörgeln. Zugegeben – amüsant erzählt, sorgt es für ein wohliges Gemeinschaftsgefühl, ist unterhaltsam und bringt Spaß. (more…)


  3. „Ein Kurarzt aus der Provinz“

    Veröffentlicht am 31. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    Ulbrichts letzter Leibarzt

    Dr. Rainer Fuckel

    Dr. Rainer Fuckel

    Sich an „Die Welt von gestern“ (Stefan Zweig) zu erinnern tut gut, da man schlecht im Heute leben kann ohne zu wissen, was gestern war. Sich an die DDR zu erinnern ist für viele schmerzlich. Für die einen, was sie erleiden mussten und für die anderen, was sie verloren haben. Eine geeignete Art und Weise sich zu erinnern, um historische Bezugspunkte für das eigene Lebensgefühl einzuordnen, ist noch nicht gefunden. Die DDR-Erinnerungskultur ist ambivalent, ver­feind­et und wenig objektiv.
    Walter Ulbricht steht für den Bau der Berliner Mauer und seinen Ausspruch, „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Es ist sicher schwierig, ihm nachträglich ein Denkmal zu setzen. Ob Egon Krenz, als Ulbrichts Nach- Nachfolger, das mit seinem Buch „WALTER ULBRICHT – Zeitzeugen erinnern sich“ beab­sichtigt hat, wird jeder beurteilen, der es liest. Ich las mit großer Überraschung darin, dass Ulbrichts Leibarzt auch mein Hausarzt ist. Ein kleines bisschen spektakuläre Weltgeschichte, direkt vor meiner Nase, in der Provinz. Das hat mich neugierig gemacht.
    Ich kenne Dr. Rainer Fuckel, Leib- und Hausarzt, seit mehr als zwanzig Jahren. Er ist für mich ein äußerst freundlicher und sehr versierter Vertrauensarzt. Als ich ihn für diesen Artikel interviewe, erzählt er: „Mir wurde es nicht leicht gemacht damals in Bad Liebenstein. Aber in Ruhla hatte ich gute Freunde, die mir halfen bei meinem Neustart.“ Mit großem Einsatz begann er 1989 unter schwierigsten Bedingungen zu praktizieren. Zu seinen Praxisräumen, die ein Ruhlaer Unternehmer zur Verfügung gestellt hatte gelangte man nur über eine enge, ölgetränkte Holztreppe. Doch über die Zeit des schweren Neuanfangs spricht er nicht gerne. Gleichwohl meisterten er und seine Frau sie perfekt und die Praxis wuchs und seine Patienten vertrauten seinem ärztlichen Können. „Arbeiten und für meine Patienten da sein, ist mein Leben.“ Und man glaubt es ihm. (more…)


  4. Feierabend-Rebellen

    Veröffentlicht am 4. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    Premiere der Seniorentheatergruppe
    am Landestheater Eisenach

    theater670Das professionelle Theater sind die Lackschuhe und das Amateurtheater die bequemen Sandalen. Diesen Vergleich finde ich sehr sympathisch. Meisterhaft-gekonnt sind sie beide. Qualität, Herzblut, Engagement und imposante Charaktere zeichnen beide gleichermaßen aus. Doch für manche hat das Amateurtheater noch immer eine gewisse Nachrangigkeit gegenüber der oft spektakulären Dauerpräsens der Profis. Die Amateure werden eher als lokale Bereicherung der Kulturszene gesehen, als Bildungsprogramm für alle, die Profis als Hochkultur und Dauerjahrmarkt der Eitelkeiten.
    Eisenachs Seniorentheatergruppe „Spätsünder“ feiert Premiere auf der großen Bühne des Landestheaters mit dem Stück „Herbsterwachen“. Das Stück von Stephan Rumphorst spielt in einem Eisenacher Feierabendheim, welches geschlossen werden soll. Ein Immobilienmakler möchte, dass auf diesem Gelände ein hippes Anti-Aging-Center entsteht, was Geld bringt und nicht verschlingt. Aber da es ein Stück „Mutmachtheater“ ist, wie Rumphorst sagt, kommt es natürlich anders. Die vermeintlich senilen Alten proben den Aufstand. „Man kann schließlich alte Bäume nicht so einfach verpflanzen“ und über das Älterwerden muss diskutiert werden. Obwohl sich alle Bewohner in einer mehr oder weniger behaglichen Heimidylle eingerichtet haben, kommt es hin und wieder zu kleinen Zwistigkeiten. Wunderbar inszeniert von Stephan Rumphorst und fabelhaft gespielt von 16 Laiendarstellern. „Herbsterwachen“ erzählt von Rückzug und Einsamkeit, von kleinen Rechthabereien und Stützstrümpfen und vom Kampfgeist, der plötzlich wieder erwacht. Ein kleiner Damenchor kommentiert das Geschehen vom 1. Rang aus. „Ich höre, die machen Revolution“ singen sie. Ihr Gesang ist von fideler Leichtigkeit und berauscht von Hanfkeksen. Schwester Magdalena, gespielt von Britta Waldner, sieht sich in guter Tradition zu ihrem großen Vorbild, Hildegard von Bingen, wenn sie heimlich und illegal Hanf im Seniorenheim anbaut und die Bewohnerinnen Kekse daraus backen lässt. (more…)


  5. Nochmal gut gegangen!

    Veröffentlicht am 20. März, 2014 von Carola Wiegand

    Tortenteller mit klitzekleinem Törtchen - geht aber auch nicht!

    Tortenteller mit klitzekleinem Törtchen – geht aber auch nicht!

    Ich habe in der Vergangenheit mehrfach gefastet und meine Fastenerlebnisse, Einsichten und Wahrnehmungen aufgeschrieben. Da ist von hoffnungsfroher Zuversicht, von viel Quälendem und auch von Schmerz zu lesen. Dennoch ging diese Zeit immer gut für mich aus. Meine Beweggründe zu diesem Schritt waren zweifelsfrei, die angeschlichenen Speckröllchen wieder loszuwerden. In diesem Jahr verzichte ich darauf, da ich von dererlei Dingen verschont blieb. (more…)


  6. Au-pair Oma

    Veröffentlicht am 1. März, 2014 von Carola Wiegand

    … oder der Besuch einer liebenswürdig-couragierten Dame

    l+p2013
    Der Bezug zu Dürrenmatts Welterfolg „Der Besuch der alten Dame“ liegt nur scheinbar nahe. Eine reizende, ältere Dame beschließt zu verreisen. Aber nicht einfach so, sondern mit Ziel und Zweck. Gier, Doppelmoral oder auch Falschheit, so wie bei Dürrenmatt, sind nicht die Beweggründe. Auch nicht die Versuchung des Geldes. Pure Lebenslust, Freude am Abenteuer und die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches sind die Auslöser. Ruhiger Lebensabend, die Plüsch-Couch-Garnitur, deren Staubschicht schon vom Zahn der Zeit angenagt ist, angesammelter Klimbim und Plunder, den man zu oft für die schöne Erinnerung braucht, ständig gestresste Kinder und keiner hat so richtig Zeit für den anderen. Gerade das bringt agile ältere Damen auf neue Ideen. Einmal das traute Heim verlassen, wenn auch nur für eine gewisse Zeit und Au-pair Oma werden. Raus aus der Lethargie des Älterwerdens und wieder spüren wie es sich anfühlt, gebraucht zu werden. Plötzlich entsteht Raum für noch andere unerfüllte Wünsche, die zu einer Art Versäumnis im bisherigen Leben zählen. Denken fernab von Altersgrenzen. Das, was Oma tun will, kann sie nun selber wählen. (more…)


  7. Beharrliche Ungewißheit

    Veröffentlicht am 4. Februar, 2014 von Carola Wiegand

    FragezeichenRDie Zukunft ist ungewiss. Was weiß ich schon und was ist sicher? Ich glaube, nicht viel. Doch damit lebe ich gut. Was nicht bedeutet, dass ich uninteressiert an Neuem bin. Ich schreibe einen Blog, habe ein Smart Phone und surfe liebend gerne im Internet. Nur hin und wieder befällt mich eine kleine Angst, den Anschluss zu verlieren, nicht mehr zu verstehen, wie unsere mediale Welt funktioniert. Immer dann, wenn mich jemand mit der größten Selbstverständlichkeit etwas fragt, wovon ich noch nie etwas gehört habe. Wissen Sie was eine WhatsApp ist? Ich hatte keine Ahnung. Es ist diese Vernarrtheit einer Sprachgemeinschaft, mit ihrem Internet-Slang, die mich manchmal verzweifeln lässt. Nichtwissen bereitet mir Stress, ich fühle mich ausgeschlossen. (more…)


  8. Müßiggang – das schiefe Bild vom Alter

    Veröffentlicht am 23. Juli, 2013 von Carola Wiegand

    Müßiggang

    Müßiggang

    Es gibt nicht viele, die ihr nicht zum Opfer gefallen sind, der protestantischen Arbeitsmoral! Wir haben sie verinnerlicht. Pünktlich, zuverlässig und fleißig gehen wir unserem Tagewerk nach. Früher stand der Erwerb eines angemessenen Lebensunterhalts im Vordergrund. (more…)


  9. Was jeder macht, ist nichts für mich

    Veröffentlicht am 12. Juli, 2013 von Carola Wiegand

    Mein ‚Personal Style’ , minimalistisch nur manchmal etwas überschwänglich

    Mein ‚Personal Style’ – minimalistisch,  nur manchmal etwas überschwänglich

    Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern“, sagt Astrid Lindgren. Und keines für mich, lustige Hüte zu tragen. Das machen, was jeder macht heißt für mich – Langeweile, erzwungener Gleichschritt. Einige sagen, Älterwerden riecht nach Beschaulichkeit, abwarten und sinnlosem Konsum. Dem schließe ich mich nicht an! Die Gesellschaft hält mir jedoch ein Bild vor Augen, das mir nicht gefällt. Die „Seelenkombinate“ Werbung, Film und Fernsehen haben das Alter zu etwas gemacht, was man fürchten muß. Die jungen Jahre stehen im Zeichen des Begehrens, die späteren für Ehrenamt, Konsumieren und für Glauben. (more…)


  10. Zahlenmythos

    Veröffentlicht am 21. Juni, 2013 von Carola Wiegand

    So bunt, wie das Leben

    So bunt, wie das Leben

    Meine Freundin ist 70 geworden und mir sind nicht wirklich herzlich-gelassene und beruhigende Worte eingefallen, um sie zu beglückwünschen. Egal welche ich wählte, sie hatten immer einen Hang ins Tröstliche, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ist es gut in diesem Alter angekommen zu sein? Warum mache ich mir überhaupt diese Gedanken? Sicher weil ich in diesem Jahr 60 werde. Und mit 60 ist man alt, definitiv. Das habe ich oft von anderen gehört und lange Zeit auch gedacht. Eine Null steht für nichts, jedoch nach einer sechs verzehnfacht sie diese. Für meine Geldbörse wäre das ein Glücksumstand, für mich persönlich bedenklich. (more…)