Juli, 2014

  1. „Ein Kurarzt aus der Provinz“

    Veröffentlicht am 31. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    Ulbrichts letzter Leibarzt

    Dr. Rainer Fuckel

    Dr. Rainer Fuckel

    Sich an „Die Welt von gestern“ (Stefan Zweig) zu erinnern tut gut, da man schlecht im Heute leben kann ohne zu wissen, was gestern war. Sich an die DDR zu erinnern ist für viele schmerzlich. Für die einen, was sie erleiden mussten und für die anderen, was sie verloren haben. Eine geeignete Art und Weise sich zu erinnern, um historische Bezugspunkte für das eigene Lebensgefühl einzuordnen, ist noch nicht gefunden. Die DDR-Erinnerungskultur ist ambivalent, ver­feind­et und wenig objektiv.
    Walter Ulbricht steht für den Bau der Berliner Mauer und seinen Ausspruch, „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Es ist sicher schwierig, ihm nachträglich ein Denkmal zu setzen. Ob Egon Krenz, als Ulbrichts Nach- Nachfolger, das mit seinem Buch „WALTER ULBRICHT – Zeitzeugen erinnern sich“ beab­sichtigt hat, wird jeder beurteilen, der es liest. Ich las mit großer Überraschung darin, dass Ulbrichts Leibarzt auch mein Hausarzt ist. Ein kleines bisschen spektakuläre Weltgeschichte, direkt vor meiner Nase, in der Provinz. Das hat mich neugierig gemacht.
    Ich kenne Dr. Rainer Fuckel, Leib- und Hausarzt, seit mehr als zwanzig Jahren. Er ist für mich ein äußerst freundlicher und sehr versierter Vertrauensarzt. Als ich ihn für diesen Artikel interviewe, erzählt er: „Mir wurde es nicht leicht gemacht damals in Bad Liebenstein. Aber in Ruhla hatte ich gute Freunde, die mir halfen bei meinem Neustart.“ Mit großem Einsatz begann er 1989 unter schwierigsten Bedingungen zu praktizieren. Zu seinen Praxisräumen, die ein Ruhlaer Unternehmer zur Verfügung gestellt hatte gelangte man nur über eine enge, ölgetränkte Holztreppe. Doch über die Zeit des schweren Neuanfangs spricht er nicht gerne. Gleichwohl meisterten er und seine Frau sie perfekt und die Praxis wuchs und seine Patienten vertrauten seinem ärztlichen Können. „Arbeiten und für meine Patienten da sein, ist mein Leben.“ Und man glaubt es ihm. (more…)


  2. Thüringer Denkmalschutz-Preis 2014

    Veröffentlicht am 11. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    … für den St. Trinitatis-Verein und die Stadt Ruhla

    denkmalschutz670Der Thüringer Denkmalschutzpreis wird vom Freistaat seit 1994 vergeben. Bis heute wurden 160 Preisträger in den Kategorien: Gruppenpreis, Einzeldenkmal, Archäologisches Denkmal und Technisches Denkmal geehrt. Am 30. Juni 2014 erhielt der St. Trinitatis Verein Ruhla diese Anerkennung für die mutige Idee, das barocke Gotteshaus auf der Köhlergasse nicht dem Verfall Preis zu geben, für ihr außerordentliches Engagement bei der Sanierung sowie deren Entwicklung zur Kulturkirche St.Trinitatis Ruhla, wie es in der Laudatio hieß. (more…)


  3. Die Burschenschaften …

    Veröffentlicht am 7. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    … und der Wirbel in Eisenach

    Die Mehrheit der heutigen Burschenschaften ist schlagend, habe ich gelesen. Sie richten Mensuren aus. Klingt grauselig, ist es wahrscheinlich auch. Wer hat schon gerne einen Schmiss im Gesicht? Doch das war letztlich nicht ausschlaggebend für die Wartburgherren und die Stadt Eisenach, empfindliche Verbote gegen die Burschenschaften auszusprechen. Der Wartburghof ist für ihren Festakt gestrichen. Die Werner-Aßmann-Halle steht ihnen nur noch bis 2017 offen.

    Sieht man die Herren dieses „Männerklubs“ fein „verkappt“ durch die Stadt flanieren meint man, sie tragen eine chiffrierte, verborgene Botschaft mit sich. Einfache Fußgänger halten sie für eine Art „Mummenschanz“. Wie bunte Paradiesvögel schwirren sie in ihren Farben durch Eisenach. (more…)


  4. Feierabend-Rebellen

    Veröffentlicht am 4. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    Premiere der Seniorentheatergruppe
    am Landestheater Eisenach

    theater670Das professionelle Theater sind die Lackschuhe und das Amateurtheater die bequemen Sandalen. Diesen Vergleich finde ich sehr sympathisch. Meisterhaft-gekonnt sind sie beide. Qualität, Herzblut, Engagement und imposante Charaktere zeichnen beide gleichermaßen aus. Doch für manche hat das Amateurtheater noch immer eine gewisse Nachrangigkeit gegenüber der oft spektakulären Dauerpräsens der Profis. Die Amateure werden eher als lokale Bereicherung der Kulturszene gesehen, als Bildungsprogramm für alle, die Profis als Hochkultur und Dauerjahrmarkt der Eitelkeiten.
    Eisenachs Seniorentheatergruppe „Spätsünder“ feiert Premiere auf der großen Bühne des Landestheaters mit dem Stück „Herbsterwachen“. Das Stück von Stephan Rumphorst spielt in einem Eisenacher Feierabendheim, welches geschlossen werden soll. Ein Immobilienmakler möchte, dass auf diesem Gelände ein hippes Anti-Aging-Center entsteht, was Geld bringt und nicht verschlingt. Aber da es ein Stück „Mutmachtheater“ ist, wie Rumphorst sagt, kommt es natürlich anders. Die vermeintlich senilen Alten proben den Aufstand. „Man kann schließlich alte Bäume nicht so einfach verpflanzen“ und über das Älterwerden muss diskutiert werden. Obwohl sich alle Bewohner in einer mehr oder weniger behaglichen Heimidylle eingerichtet haben, kommt es hin und wieder zu kleinen Zwistigkeiten. Wunderbar inszeniert von Stephan Rumphorst und fabelhaft gespielt von 16 Laiendarstellern. „Herbsterwachen“ erzählt von Rückzug und Einsamkeit, von kleinen Rechthabereien und Stützstrümpfen und vom Kampfgeist, der plötzlich wieder erwacht. Ein kleiner Damenchor kommentiert das Geschehen vom 1. Rang aus. „Ich höre, die machen Revolution“ singen sie. Ihr Gesang ist von fideler Leichtigkeit und berauscht von Hanfkeksen. Schwester Magdalena, gespielt von Britta Waldner, sieht sich in guter Tradition zu ihrem großen Vorbild, Hildegard von Bingen, wenn sie heimlich und illegal Hanf im Seniorenheim anbaut und die Bewohnerinnen Kekse daraus backen lässt. (more…)


  5. FERNWEH – HEIMWEH

    Veröffentlicht am 1. Juli, 2014 von Carola Wiegand

    … ein Gefühl, das etwas fehlt

    fernwehkoffergarten670Kennen sie Fernweh, das Gefühl, das etwas fehlt? Mir ist dieses vage Gefühl nach etwas anderem sehr gut bekannt, manchmal leide ich sogar darunter. Eine schmerzhafte Empfindung, nicht weg zu sein. Unsere gut organisierte und geregelte Welt verlassen und sehen, was passiert.
    Sommerzeit, Urlaubszeit, Reisezeit. Die Sehnsucht nach der Ferne schmeckt immer süß, manchmal auch ein bisschen bitter. Sie folgt nie nur einem Muster. Birgt jedoch per se die Illusion von Abenteuer und verschafft den Zugang zu einer Welt voller großartiger Ereignisse und sich selber das Gefühl, Teil dessen zu sein. Verreisen, etwas erleben, um davon zu erzählen, gehört für die meisten zu den prägendsten Erfahrungen. (more…)