Die Burschenschaften …

Veröffentlicht am 7. Juli 2014 von Carola Wiegand

… und der Wirbel in Eisenach

Die Mehrheit der heutigen Burschenschaften ist schlagend, habe ich gelesen. Sie richten Mensuren aus. Klingt grauselig, ist es wahrscheinlich auch. Wer hat schon gerne einen Schmiss im Gesicht? Doch das war letztlich nicht ausschlaggebend für die Wartburgherren und die Stadt Eisenach, empfindliche Verbote gegen die Burschenschaften auszusprechen. Der Wartburghof ist für ihren Festakt gestrichen. Die Werner-Aßmann-Halle steht ihnen nur noch bis 2017 offen.

Sieht man die Herren dieses „Männerklubs“ fein „verkappt“ durch die Stadt flanieren meint man, sie tragen eine chiffrierte, verborgene Botschaft mit sich. Einfache Fußgänger halten sie für eine Art „Mummenschanz“. Wie bunte Paradiesvögel schwirren sie in ihren Farben durch Eisenach.

Am letzten Wochenende besuchten knapp 400 Burschen die Stadt und hielten ihren Deutschen Burschentag ab. Kein Geselligkeitsverein mit Damen. Die sind ausgeschlossen. Doch diese drehen sich amüsiert auf der Straße nach ihnen um. „Verkappen tun sich also nicht nur Karnevalsjecken und Kinder gerne“ bemerkt eine Passantin und geht weiter. Ich stimme ihr zu. Wenige, die mir begegnen haben Verständnis für diese Maskerade, die einer gewissen Komik nicht entbehrt.

Es sind nicht die etwas schrulligen Deutschtümeleien, weswegen man in Eisenach so verärgert reagiert, sondern die zunehmende Radikalisierung der Burschenschaften, die mit einem „Arier Nachweis“ und der Verunglimpfung des Theologen Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter den Bogen weit überspannt haben und nicht mehr tragbar sind. Der Geist der Wartburg und die weltoffene tolerante Stadt Eisenach vertragen soviel „Vaterlandsmief“ nicht mehr, so die offizielle Begründung.

Aber was feiern diese „Verkappten“ eigentlich? Sich selbst und ihre Männlichkeit? Das was sie gerne wären: Eroberer und Abenteurer? Das wäre ja noch das Harmloseste. Doch ihre völkisch-nationalistischen Prinzipien, ihre Frauenfeindlichkeit und ihre Fackelumzüge in der Nacht müssen uns alle alarmieren. Sie feiern eine gefährliche Melange aus Nationalkonservativem und Rechtsradikalem.
Eisenach distanziert sich von den ultrakonservativen Burschen und ein Gärtnermeister aus Ruhla zeigt Courage. Er lehnte ab, für sie zu arbeiten und Kränze zu flechten. Das macht mich stolz, da ich auch aus dieser kleinen Stadt komme.
Die Gegner dieser, aus der Zeit gefallenen Männerbünde mobilisieren sich an vielen Orten. Das macht Mut!

Carola Wiegand


2 Comments »

  1. Hirschgeweih sagt:

    Ich finde Deinen Artikel sehr mutig, scharf und zum schmunzeln. Ich stimme Dir absolut zu, dass man hier nur schmunzeln kann aber sehr aufmerksam hinhören muß!
    h

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