Wellness für die Seele –

Veröffentlicht am 8. November 2014 von Carola Wiegand

Dharma Zentrum Möhra

dharmazentrum-fahnenIn Möhra herrscht Aufbruchstimmung! Während die christlichen Kirchen immer mehr an „Magersucht“ leiden, werden in Möhra, dem Luther Stammort, tibetische Gebetsfahnen gehisst. Im ehemaligen Ferienheim Kosmos ist seit Ende 1990 das Thüringer Zentrum für Buddhistische Studien eingezogen und das Heer der Interessierten wächst erstaunlich schnell. Buddhismus steht für Wellness und Wohlgefühl, für Sinnsuche und Glückseligkeit und konnte sich mit dieser Strategie erstaunlich schnell in Europa verbreiten. Er kennt weder Himmel noch Hölle und verspricht niemandem das ewige Leben, nur Erleuchtung durch üben, üben, üben, nicht durch Glauben. Sein Oberhaupt, der Dalai Lama, erscheint vielen als der „weiseste Mann der Welt“, ein charismatisch-sanftmütiger Herrscher. Lama – Lehrer ist ein ehrenhafter Titel.

dharmazentrum2Was macht die Faszination des Buddhismus aus und worin liegt das Geheimnis seiner Spiritualität, dem immer mehr Europäer verfallen? „Der grundlegendste Unterschied ist, dass es keinen Schöpfungsgott gibt, dem man sich gehorsam unterwerfen muss“, sagt Lama Drubtscho, die ich im Dharma Zentrum Möhra treffe. „Der Mensch selbst steht im Mittelpunkt. Es geht um seine Befreiung von allem Leid und dem Erreichen des Nirvana.

Lama Drubtscho vom Dharmazentrum Möhra.       Lama Drubtscho, ein schwieriger Name, flößt mir Ehrfurcht ein, zunächst ihr Äußeres. Eine stattlich hübsche Frau, in dunkelroter Robe, raspelkurz gestutztem grauen Haar und hellwachen freundlichen Augen. Frauen als Lama gibt es in Asien selten. Es ist ein Tribut an die westliche Ausprägung des tibetischen Buddhismus. Als Drubtscho zu erzählen beginnt, ist alles gut. Ihre sanftmütig-sichere Stimme strahlt viel Warmherzigkeit aus. Ich fühle mich eingeladen, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Meine Unsicherheit besteht darin, wie ich sie ansprechen darf. „Einfach Drubtscho“, sagt sie, das reicht. Ich beginne und stelle bald fest, es ist unkompliziert mit ihr zu sprechen. Sie lässt jede Frage zu und antwortet geduldig.
.     „Die zunehmende Komplexität der Welt macht den Alltag für viele immer undurch­schau­barer“ erzählt sie. „Menschen suchen spirituelle Orientierung.“ Der Buddhismus, als eine Art Trend Religion unserer Zeit, scheint diesen Wunsch zu erfüllen. „Hilf anderen glücklich zu sein, dann wirst du selbst glücklich!“
Buddhistischer Etikettenschwindel oder spirituelle Redlichkeit? Buddha ist kein Gott und das sich Verbeugen vor ihm ist pure Dankbarkeit. Mit solchen Sätzen überzeugt der Buddhismus die westliche Welt, die sich im Gegensatz dazu immer mehr dem Motto verschreibt: „Jeder für sich und keiner fürs Ganze“.
Zweifelsohne ist der Buddhismus in Mode gekommen und viele westliche Popstars schmücken sich mit einem „Schicki-Micki Buddhismus“ als Popkultur, deren Symbole immer häufiger verkitscht und verramscht werden.
Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, gilt als allmächtiger Vertreter, als großer Entertainer, als Seelenfänger und als der „Ozean der Weisheit“, je nach Standpunkt. Ob Sanftmut, Duldsamkeit und Gewaltlosigkeit nur religiöse Floskeln sind oder buddhistische Realität möchte ich von Lama Drubtscho wissen. Auch interessiert mich, warum Frauen im Buddhismus als „Niedriggeborene“ Männer hingegen als Höhergeborene“ noch heute gelten? Bei der Antwort auf meine kritischen Fragen ist plötzlich jede sanftmütig-buddhistische Toleranz verschwunden. Eine hinzu-gekommene Praktizierende oder auch Laienpraktizierende, die ihren buddhistischen Namen einfach vergessen hat, empfindet meine Fragen gar als persönlichen Angriff. Kleinere „Wortgefechte“ folgen. Unser Gespräch war von nun an leider nicht mehr getragen von der vielbeschworenen „geistigen Weite und warmherzigen Offenheit“ sondern von intoleranter Kleingeistigkeit. Plötzlich gerät mein mühsam erworbenes Verständnis vom Buddhismus in Schieflage. Er hat sich selbst entzaubert. Ich ahne, dass offensichtlich nicht überall Buddhismus drin ist, wo Buddhismus drauf steht und die vielgerühmte warmherzige Anteilnahme manchmal nur folkloristischer Firlefanz?
.    Still und weitestgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet „missionieren sich nicht, sie assimilieren. Sie scheuen das Licht der Öffentlichkeit und klare Positionen zu kritischen Fragen“, sagt Pfarrer Hirnsang, was ich durch meine eigene Erfahrung bestätigen kann.
Es ist schwer für mich, mit christlich-kulturellem Hintergrund, diese Weltanschauung zu verstehen. Doch es bleibt die Frage, weshalb der Buddhismus heute so modern erscheint? Vielleicht, weil er inspirieren kann, oder reicht schon das bloße wissende Dauerlächeln?
Nur dann, wenn es an die Wiedergeburt geht, gleitet alles für mich ab ins Märchenhafte.

Carola Wiegand


3 Comments »

  1. fufan sagt:

    Hallo, finde ich ja absolut interessant, den Beitrag. Wußte ich gar nicht, dass es in der Nähe so etwas gibt. Schön, die kritische Betrachtung! Also immer schön aufmerksam sein!!

  2. defdo sagt:

    Da war ich schon mal, fand es ganz cool. Aber jetzt lese ich mal ein bisschen nach. Wußte ich alles gar nicht! Ein bisschen Skepsis ist immer gut, gar wenn es zu „lauschig“ daherkommt!
    Danke dafür!

  3. Torsten Müller sagt:

    „warum Frauen im Buddhismus als ‚Niedriggeborene‘ Männer hingegen als ‚Höhergeborene‘ noch heute gelten?“ ist ja eher eine Behauptung als eine Frage… mich würde interessieren, wie darauf auf inhaltlicher Ebene geantwortet wurde, darauf geht der Artikel leider nicht ein.

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