Mütter & Söhne – die richtige Balance finden

Veröffentlicht am 10. Juni 2015 von Carola Wiegand

muetter_soehne2Kinder sind das größte Geschenk und „Mutterliebe“ das beste Doping fürs Leben – ein wundersamer Zaubertrank. Mutterliebe – die Liebe zur Selbstlosigkeit, Aufopferung und dem uneingeschränkten „Stets-zu-Diensten“ sein. Ein kulturelles Stereotyp? Die kulturell konstruierte Mutterliebe schadet den Frauen mehr, als sie nützt, sagt Prof. Claudia Opitz von der Universität Basel. Sie ist anthropologisch durchaus umstritten, „… ein Trick der Natur“. Mütter gelten als Wunderheilerin für aufgeschlagene Knie, Liebeskummer und Leiden aller Art. Das außergewöhnlich Besondere der Mutterliebe muss aber unbedingt von der „Speckschicht“ der Idealität befreit werden. Doch gibt es tatsächlich Dinge, die Mütter für ihre Kinder tun, die sie für niemand anderen tun würden.
Jungs sind etwas ganz wunderbares, die meisten zumindest. Zwischen Müttern und Söhnen passt oft kein Blatt Papier. Die Beziehung ist emotional-inniglich und bedingungslos aber nicht ohne Risiken. Mütter reagieren unbewusst anders auf einen Sohn, als auf eine Tochter, sagt der französische Psychologe, Alain Braconnier. Im jeweils anderen Verhalten liegt für beide die besondere Faszination. „Mädchen werden zur Selbständigkeit erzogen, Jungs brauchen Freiheit und werden häufig länger bekuschelt und verwöhnt. Ich spreche wohlbegründet aus eigener Erfahrung. Die mütterliche Nähe, die zum Verhätscheln neigt und die Erziehung zur Männlichkeit schließen sich genaugenommen aus. Es geht um Nähe und Distanz, um Symbiose und Autonomie. Die Ansichten über das richtige Maß gehen weit auseinander. Obwohl die Mutter-Sohn Beziehung so tief und existentiell ist, verläuft sie keinesfalls in endloser Harmonie. Fehlt das richtige Maß, fühlt sich einer abgelehnt oder eingeengt. Die Beziehung ändert sich, weil sich Mutter und Sohn ändern, doch ob sie gut bleibt im Laufe der Zeit kann keiner festlegen. Es gibt keine „Pflicht“ zu einer guten Beziehung. Hier beginnt nicht selten das Dilemma.
Jungen gehen in die Welt und lösen diese Bande, mehr oder weniger.

Neues wird wichtig, vorher Wesentliches tritt in den Hintergrund. Kleine Gereiztheiten, Lappalien im Umgang miteinander, aggressive Vorwürfe und Gegenvorwürfe. Für einige Mütter kommt dieses Verhalten einer griechischen Tragödie gleich! Es ist schwer für sie kritische Äußerungen von erwachsenen Söhnen zu ertragen. Kritik scheint wie blanker Undank. Dennoch, Söhne müssen sich von der Mutter abnabeln, um ihre eigene Rolle zu finden. Entfremdung ist nicht selten die Folge. Gelingt es jedoch über die unterschiedlichen Sichtweisen zu reden und sie zu akzeptieren, ohne sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, kann dieser Prozess für beide ein Gewinn sein. Viel zu häufig werden Missstimmungen unter den Teppich gekehrt und bleiben als „hässliche Beulen“, über die man immer wieder stolpert, liegen. „Eine zeitweise Entfremdung ist keine Katastrophe“ sagt A. Braconnier und es scheint sogar, „… als seien es manchmal die besonders umsorgten Söhne, die sich aus einem zu engen Miteinander loslösen“. Doch ist es bei aller Nähe und Distanz unerlässlich, eine Kultur „der Freundlichkeit und des gegenseitigen Respektes“ nicht verschwinden zu lassen. Das alles ist gewiss nicht einfach!
Am Anfang aller großen Dinge steht eine Frau“, sagt der Franzose de Lamartine und jeder Mann ist der Sohn einer Mutter. Mein Ziel bestand immer darin, meinen Söhnen Raum zu geben und darauf zu vertrauen, das sie finden werden, was gut und richtig für sie ist. Dass dieser notwendige Prozess auch manchmal schmerzlich sein kann und mir nicht immer gefallen muss, davor hat mich niemand gewarnt. Inzwischen sind meine Söhne erwachsen und haben eigene Familien. Ich musste lernen, dass meine Rolle in ihrem Leben beschränkt ist. Doch zum Glück ist es mir gelungen mein eigenes Leben und meine eigene Ordnung wiederzufinden und zu leben.
Doch eines scheint mir absolut sicher: „Nur Dank einer starken Mutter können Söhne überhaupt echte Männer werden!“

Carola Wiegand


2 Comments »

  1. Jackelyn Aragón Gómez sagt:

    Vielen Dank! Super interessanter Artikel…
    Liebe Grüße

    Jackelyn

  2. Calu sagt:

    Wir mit Söhnen verstehen uns da gut! Stimmt, lb. Jackelyn? c

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