Wem gehören meine Daten?

Veröffentlicht am 14. Oktober 2015 von Carola Wiegand

Eigene Privatheit schützen – nur wie?

DatenschutzPersönliche Daten sind eine wichtige Währung im digitalen Zeitalter und die Begehrlichkeiten für Staat und Wirtschaft aber auch Kriminelle werden immer größer. DATENSCHUTZ steht heute für den Schutz der Privatsphäre. Er wird keinesfalls einheitlich verstanden. Die Grundidee besteht darin, dass jeder selbst entscheiden kann, was mit seinen persönlichen Daten geschieht. Es geht um mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die unendlich schnelle Entwicklung der Digitaltechnik macht es immer besser möglich dieses Recht zu missachten und zu unterlaufen. Mit Internet, E-Mail, Mobiltelefonie und elektronischen Zahlungsmethoden scheint das Paradies des „Datenklaus“ immer paradiesischer zu werden. Geradezu himmlische Zustände für jeden Datensammler.
Das Internet ist allgegenwärtig. 50 Millionen Deutsche sind inzwischen online. Im Büro, zu Hause oder in der Hosentasche. Es ist einfach da. Und wie viel Interessantes kann man damit machen. Ich gebe zu, dass mein PC auch ein gewisses Suchtpotential für mich hat. Mehrmals täglich verspüre ich den zwanghaften Drang, meine E-Mails zu checken. Nur wenn die Informationsflut zu heftig und unübersichtlich ist, wird gnadenlos gelöscht. Ich kann flugs und einfach die schönsten Dinge bestellen, weiß das Neueste in sekundenschnelle oder habe fix nachgeschaut, wo etwas los ist.
Für Jugendliche gilt: Wer nicht vernetzt ist, gehört nicht dazu. Für die Älteren ist es häufig der Beweis dafür, dass sie noch fit sind und wissen, was läuft. Überall hinterlässt man Spuren, die andere nutzen und verkaufen können. Zielscheibe aggressiver und unseriöser Werbung sind per se alle, doch habe ich den Eindruck, dass ältere Menschen häufiger auf die wohlfeilen und listigen Angebote reinfallen. Meiner Verärgerung über die ständig steigende Zahl dubioser Anrufe und seltsamer Kataloge in meinem Briefkasten steht eine Vielzahl von „Gebauchpinselten“ gegenüber, die über die Anzahl der Anrufe, die sie aus „aller Welt“ erreichen, stolz berichten. Sie verwechseln leider „Datenklau“ mit dem eigenen Wichtigsein.
Trotz der allseits bekannten digitalen Datensammelei geben Menschen auch gerne ihre Daten preis. Fachleute fürchten, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich ein Bewusstsein für diese Problematik herausbildet.
Soziale Netzwerke sind der ideale und bevorzugte Ort junger Leute, um sich auszutauschen. Auch Ältere nutzen dieses Medium um Kontakte zu knüpfen, sich selbst darzustellen, Freundschaften zu pflegen und vermeintlich nicht einsam zu sein. Grundsätzlich etwas Positives in beiden Fällen, doch sind zu viele zu offenherzig mit der Preisgabe persönlicher Daten.
Lügen ist Mist, soviel steht fest. Doch ein bisschen flunkern, um seine Daten zu schützen ist durchaus erlaubt. Experten raten, dass man ein Pseudonym verwenden sollte und statt seines Konterfeis, die liebreizende Ansicht des Hinterkopfes als Bild im Netz präsentieren. Ein wenig Kreativität im Umgang mit der Wahrheit ist hier gefragt und erlaubt. Wer allzu vertrauensselig davon ausgeht, dass am anderen Ende der Leitung nur Wohlgesonnene unterwegs sind sieht sich schnell getäuscht. Wussten Sie, dass der digitale Fingerabdruck eindeutiger ist als der biometrische?
Vor einigen Tagen verkündete der Facebook-Chef, Zuckerberg, dass erstmals binnen 24 Stunden mehr als 1 Milliarde Menschen das soziale Netzwerk besucht haben. Doch sollte jedem klar sein, auch wenn solche (und andere) „Datenkraken“ ihre Leistungen kostenlos anbieten sind sie keine Wohltäter, sondern Unternehmen, die Geld verdienen müssen. Ihr einziges Kapital sind unsere Profildaten, die ihnen ungeahnten Reichtum bescheren. Google erklärt offen das Datensammeln zu seiner Einnahmequelle. Ihr generelles Motto lautet: „Ist meine Dienstleistung kostenlos, wird der Nutzer zum Produkt“.
Daten werden offiziell nur dann genutzt, wenn ich dem ausdrücklich zustimme, glaubte ich. Ein Experte korrigiert meine etwas schlichte und arglose Sicht: Daten werden auch genutzt bei einer mutmaßlichen Einwilligung oder wenn ein, genau auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot erstellt werden soll. Datenmissbrauch ist allgegenwärtig. Jeder kann zum Opfer werden. Eine Umfrage des Allensbach Institutes für Demoskopie macht deutlich, dass Datenmissbrauch heute deutlich gravierender ist, als die klassische Kriminalität. Microsoft markiert mit Windows 10 eine neue Ära des „Datenklaus“. Waren bisher die Daten geschützt, bis man sie selber freigab, kehrt sich dieses Prinzip mit Windows 10 um. Alle Daten und sämtliche Tastatureingaben (Passwörter) sind frei und werden an Microsoft gesendet. Damit setzt Microsoft auf das unkontrollierte Sammeln von Daten. Alle Daten sind frei verfügbar außer man widerspricht dem ausdrücklich!
Im Zeitalter des unkontrollierten Datenklaus und der schnellen Empörung soll nicht unerwähnt bleiben, dass es natürlich zu Vielem Alternativen gibt. Zu Google z.B. DuckDuckGo, zu Windows gibt es Linux, man kann E-Mails verschlüsseln und den richtigen Anbieter raussuchen. Man kann sich vor einigem schützen, vor allem, nie!

Eines steht fest: Netzbürger stehen unter Beobachtung und das Netz vergisst nichts!
Datenklauer und Menschenverachter vergiften unser schönes World-Wide-Web.
Die Privatheit von uns allen steht auf dem Spiel doch die Frage bleibt, wer überwacht die Überwacher?

Carola Wiegand


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