KOGI-Indianer in Köln –

Veröffentlicht am 31. Oktober 2015 von Carola Wiegand

alte Welt trifft auf neue

Die Warnung der „Älteren Brüder“
Ein weiser Mann aus einer anderen Welt zu Besuch in Deutschland

Mamá José Gabriel Limaco Foto: Oliver Driver

Mamá José Gabriel Limaco                                                                                                                                        Foto: Oliver Driver

Sie kennen das sicher. Man entdeckt etwas Interessantes im Internet und möchte es mit jemandem teilen. Schnell ist ein Link versandt. Diese neumodische Art der Unterhaltung pflegt mein Sohn hin und wieder mit mir. Da ich seine Empfehlungen sehr schätze, schaue ich gleich nach. Plötzlich beginnt für mich eine Reise in die Vergangenheit. Ich lese von Urwaldkaffee aus der Sierra Nevada de Santa Marta an der Karibikküste Kolumbiens, dem Land, in dem ich lange Zeit lebte. Ein Laden in Köln, der gerade neu eröffnet hat, verkauft diesen ganz besonderen Kaffee. Das Projekt heißt Café-KOGI. Máma José Gabriel Limaco, das spirituelle Oberhaupt der KOGI-Indianer aus der Sierra Nevada besucht das Geschäft in Köln. Man nennt ihn den Dalai Lama Südamerikas. Augenblicklich beschließe ich dorthin zu fahren, um Máma José Gabriel zu interviewen.
Ich betrete pünktlich den Laden und Máma José Gabriel und Mauricio, sein Begleiter, sind bereits da. Oliver Driver, den Urwalkaffee-Ladenbesitzer lerne ich ebenfalls kennen. Er ist ein Wandler zwischen zwei Welten. Er balanciert mit seinem indigenen und spirituellen Wissen zwischen Bauingenieur, Schamanismus und dem, von ihm ins Leben gerufenen Projekt „Urwaldkaffee“. Ich habe mich sorgfältig auf das Gespräch vorbereitet und stelle mich kurz in spanischer Sprache vor. Ich glaube zu verspüren, dass Mauricio meine Bemühungen freundlich zur Kenntnis nimmt. Máma José Gabriel verfolgt teilnahmslos das Geschehen. Er ist wortkarg und lauscht ungerührt dem Gespräch. Er ist von kleiner Gestalt, weiß gekleidet, trägt zwei Mochilas (gehäkelte Umhängebeutel) und eine ungewöhnliche Mütze. Ihn umgibt eine prophetische Aura. Das Gespräch führe ich hauptsächlich mit Mauricio, der hamstermäßig Coca-Blättern in seine Wangen stopft und dadurch schwer zu verstehen ist. Nur einmal mischt sich Máma José Gabriel ins Gespräch ein und erklärt uns die Entstehung der Welt mit Hilfe seiner fremdartigen Mütze. Das Anfertigen der Mütze und der Mochilas ist ein spiritueller Akt und darf nur von auserwählte Frauen erfolgen. Eine verblüffend imposante und exotische Geschichte.
Ihre Weisheit ist so einfach, wie spirituell. „Das geistige und materielle Gleichgewicht in der Welt zu erhalten.“ Der Stamm der KOGI lebt bis heute zurückgezogen und bescheiden, sie lehnten bis vor kurzem jeden Kontakt nach außen ab. Die politischen Verhältnisse in Kolumbien begünstigten über viele Jahrzehnte ihre radikale Abschottung nach außen. Terror, Drogen und Paramilitärs, die sich selbst in der Unwegsamkeit der Sierra Nevada eingerichtet hatten, halfen, wenn auch ungewollt, den ursprünglichen Lebensraum der KOGI zu erhalten. Jeder Zutritt durch Fremde glich einem Himmelfahrtskommando.
Die KOGI selbst bezeichnen sich als „Ältere Brüder“, da sie über mystisches Wissen verfügen, das andere nicht besitzen. Ihre Rituale mit Feuer, Licht und Dunkelheit erinnern noch heute an das Leben unserer Vorfahren vor tausenden Jahren. Alle anderen, auch wir, sind die „Jüngeren Brüder“, die wie „… kleine Kinder die Erde ausbeuten und nicht bemerken, dass sie sich ihrer eigenen Lebensgrundlage berauben.“
Um das Überleben der KOGI und der Welt zu sichern macht sich Máma José Gabriel auf den Weg in die neue Welt. Im Gepäck hat er seinen Urwaldkaffee. Experten schwärmen „…der beste Kaffee aus Kolumbien.“ Mit dem Erlös wollen die KOGI ihre Landflächen, die ihnen vor sehr langer Zeit durch die Spanier gestohlen wurden, zurückkaufen. Es geht ihnen vor allem um die heiligen Stätten, die nur ein KOGI erkennt und betreten darf. Hier finden ihre Rituale zur Heilung der Erde statt.

KOGI Café“ ist ein von den KOGI wenig bis gar nicht kultivierter Urwaldkaffee von hervorragender Qualität. Er wächst zwischen Avocado-, Papaya- und Mangobäumen sowie Bananenstauden und hat ganz viel Zeit und Platz sein besonders intensives Aroma zu entwickeln, während er von „Kalashe“, dem Gott des Waldes bewacht wird. Besonders wichtig sind den KOGI die alten Kaffeebäume, die sie als ihre Ahnen und Schutzherren verehren. Ihnen gilt ihr besonderer Respekt. Sie sagen „Leuten, die KOGI Kaffee trinken, geht es besser, weil er eine Botschaft hat! Das Wissen über das Leben mit der Natur.“
Uns, den jüngeren Brüdern, mangelt es an Respekt vor der Natur. Wir müssen lernen, mit der Natur zu leben. Die Aufgabe der älteren Brüder besteht darin, das Gleichgewicht des Universums zu erhalten.
Auf meine Frage, ob er auch etwas Gutes aus Deutschland mitnimmt, antwortet Mamá José mit einem klaren „nein“. Sie wollen unsere Hilfe und unser Wissen nicht. Weder Decken, noch Essen, weder Fernsehen noch Schulen. Wobei mich letzteres irritiert. Spontan erinnere ich mich an eine kleine Begebenheit, vor langer Zeit, als ich selber die Sierra Nevada besuchte und sie durchwanderte. Auf der Straße stand ein Vater mit seinem Sohn. An ihrem äußeren war zu erkennen, dass sie einem Indianerstamm aus den Bergen angehörten. Sie wollten Mochilas verkaufen. Ich fragte den Vater nach dem Preis und er antwortete mir 600 US Dollar. Ich sagte ihm, dass das nicht der richtige Preis sei, daraufhin forderte er 6 Cent. Als ich erneut die Zahlung des nun viel zu geringen Preises ablehnte, schaute er hilfesuchend zu seinem kleinen Sohn. Dieser fragte mich, wie viel ich bezahlen möchte für die Mochila.
Ausbildung und Schulen gibt es nicht bei den KOGI. Sie verfügen zweifelsohne über beeindruckende spirituelle und magische Fähigkeiten, die nicht bestimmend sind in unserer westlich-materillen Welt. Ob jedoch alleine diese spirituelle Gabe ausreichen wird, um sich außerhalb der Sierra Nevada nutzbringend und wirksam in eigener Sache bewegen zu können, bleibt abzuwarten.
Ich bin begeistert und irritiert zugleich von unserem Gespräch. Wirklich verstehen kann ich die traditionelle und spirituelle Welt der KOGI noch nicht. Doch was ich verstanden habe, dass wir sorgsamer mit unserer Erde umgehen müssen, jeder für sich, im Kleinen wie im Großen. Mögen wir den fürsorglichen Rat der KOGI und ihre ernsthafte Sorge um die Menschheit ernst nehmen und ihren Wunsch, ihren Lebensraum nicht zu zerstören, respektieren.
Und, ich habe einen neuen kolumbianischen Kaffee der Extraklasse entdeckt, den ich wärmstens empfehlen kann. Ich stimme mit Máma José Gabriel überein in der Hoffnung, dass jede Tasse dieses feinen Kaffee’s eine Botschaft übermittelt.
Schließlich sind die KOGI „Die Hüter der Erde“.

Carola Wiegand

Máma José Gabriel, Mauricio, Dolmetscherin Foto: Carola Wiegand

Máma José Gabriel, Mauricio, Dolmetscherin                                                                                           Foto: Carola Wiegand


2 Comments »

  1. Jackelyn Aragón Gómez sagt:

    Ich muss auch diese Kogi Café probieren! Danke für das schöne Artikel. Liebe Grüße, Jackelyn

  2. Calu sagt:

    Das freut mich sehr, liebe Jackelyn. Der KOGI-Kaffee ist wirklich sehr gut und gibt es in Köln. Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr und alles Gute für Euch!!! c

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