Sprachwandel oder Sprachverfall

Veröffentlicht am 12. Mai 2016 von Carola Wiegand

Gehobene Sprachweise will gelernt sein, nicht jedermann steht sie zur Verfügung“ stellte Kurt Tucholsky fest. „Chillen“ Sie oder sind Sie im „Flow“ oder wissen Sie etwa gar nicht was ich meine?
Die einen sagen die deutsche Sprache ist auf den „Hund gekommen“, die anderen, Sprachwandel hat es zu jeder Zeit gegeben. Die deutsche Sprache laviert zwischen witzig-amüsant und ideenreich bis zu putzig, diskriminierend und verletzend. Vulgäre und obszöne Ausdrücke sind alltagstauglich und Fäkalsprache begegnet uns überall. Verblüffender Weise ist dieser Sprachschatz keinesfalls nur der Jugend zuzuschreiben, es bedienen sich praktisch alle dieser „Gossensprache“. „Schlimme“ Wörter gibt es in der Familie, im sozialen Umfeld, in der Werbung und bevorzugt in allen Medien. Geht man bei jungen Menschen davon aus, dass dessen Gebrauch der Stressbewältigung dient, gilt es bei Erwachsenen durchaus als Ausdruck mangelnder Achtung vor anderen Menschen. Psychologen und Sprachwissenschaftler raten allerdings gegenüber allen Wortakrobaten zur Gelassenheit. Sie verweisen sehr gerne auf die Derbheit der Sprache, die es zu jeder Zeit gegeben hat und besonders auf die, des „Spracheschöpfers“ Martin Luther.
Provokation und Tabubruch sind übliche und am ehesten zu akzeptierende Stilmittel in der Satire. Stellt sich die Frage was darf Satire? Tucholsky sagt: „Alles“. Doch wann geht leichtfertig „malträtierte Sprache“ in Schmähkritik, Beleidigung oder persönlichen Angriff über?
Subjektiv empfinde ich, dass mir verbale Fehltritte immer häufiger und ungenierter begegnen und man möchte meinen, sie gehören bereits zum „guten Ton“.
Politische Satire deckt auf und benennt die fehlerhafte Wirklichkeit. Sie fühlt sich einem Ideal verpflichte. Satire muss wehtun und darf lustvoll Grenzen überschreiten. Nur wenn sie zu verheerend und rüde daherkommt, liegt der Verdacht nahe, dass vielmehr die Dürftigkeit des Inhaltes kaschiert werden soll. Fäkalsprache im Alltag ist einfach nur respektlos.

Carola Wiegand


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