Sommerkapriolen

Veröffentlicht am 1. September 2016 von Carola Wiegand

SommerkapriolenSommer 2016. Schönes warmes Sommerwetter am Stück ist in diesem Jahr Mangelware. Es ist ein mauer Sommer. Feuchtes Grau in Grau und eine Fließjacke und ein Regencape als ständige Begleiter. Ich habe den Eindruck, dass der Sommer in diesem Jahr ein grün gefärbter Herbst ist und sich unentwegt auf den Winter vorbereitet. Vergangene Woche fragte ich meinen Mann „Warum haben wir in diesem Jahr noch nicht einmal gegrillt“? „Doch“ antwortete er, „einmal schon.“ Aha, das muss dann offensichtlich für dieses Jahr reichen. Sommer sollte die Zeit gesteigerter Lebensfreude sein, mit Biergartenbesuchen, Bratwurst essen und langen Aufenthalten im Freien. Obwohl ich nicht zum ausgebildeten „Wetterbeobachter-Fachpersonal“ gehöre finde ich, dass der Sommer in diesem Jahr zu Ende geht, bevor er richtig begonnen hat. Während unsere Meteorologen die Hoffnung auf Sonnenschein und blauen Himmel verbal nie aufgegeben haben, wussten die Amerikaner von Anfang an Bescheid. Der amerikanische Wetterdienst hat bereits im Februar 2016 einen „Fröstel-Frühling“ vorausgesagt und für den Sommer ein munteres „Auf“ und „Ab“ der Temperaturen. Wenige Tage werden heiß sein, dafür viele unter 20 Grad bleiben, nass, sonnenarm und kühl.
Eine kleine Hitzewelle ist für Anfang September geplant, so die Wetterfrösche, wobei die Neigung zu Schauern und Gewittern erhalten bleibt. Dass die Temperaturen nachts frecherweise sogar unter Null gehen, ist nur gut für die, die ihre Winterreifen nie abmontiert haben.
Dass es sich im Sommer sehr „famos“ leben lässt, hat nicht nur Wilhelm Busch in zahlreichen Gedichten beschrieben, das wissen auch alle Shorts-Träger. Ich gebe zu, dass es dabei immer auf den richtigen Blickwinkel ankommt. Generell gilt, Männer in kurzen Hosen sind störend und unschön. Früher trugen Männer kurze Hosen nur in der Freizeit, beim Picknick oder an heißen Tagen. Doch das hat sich geändert. Manche sind wie besessen davon, bei den ersten Sonnenstrahlen, unabhängig von jeder Temperaturanzeige, ihre kurzen Hosen hervorzuholen und sie aller Welt zu präsentieren. Ob sie dabei vorteilhaft erscheinen oder nicht, es ist ihr gutes Recht. Egal ob unförmig, beleibt, käsig oder krumm.
Für mich ist dieser Anblick jedes Jahr eine Sommer-Provokation und eine totale männliche Selbstüberschätzung. Keine körperliche Eigenwilligkeit wird verhüllt, keine Beule wird versteckt. An eine Zumutung für ihre Mitmenschen denken sie erst gar nicht. Ich finde, kurze Hosen haben bei Männern jenseits der 40 etwas Unseriöses. Gut, dass sie nichts Einschüchterndes haben, eher etwas zum Schmunzeln. Die meisten wollen modisch unauffällig daherkommen ziehen jedoch alle Blicke auf sich. Ein Widerspruch in sich!
Doch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass einige Mode-Designer Shorts für Männer bereits zum Street-Style erhoben haben. Das Geheimnis liegt darin, was „Mann“ dazu trägt. Mit weißen Söckchen und Sandalen outet sich jeder als leidenschaftlicher Modemuffel.
Manchmal frage ich mich, warum ich nie einen Wüstenbewohner in kurzen Hosen gesehen habe. Die Sonne wird dort anders scheinen.
Es gibt Dinge, die ich nicht tun würde. Ich trage nie Shorts, da meinem Körper die Makellosigkeit fehlt, sie tragen zu können. Kann sein, dass ich zu selbstkritisch mit mir bin, doch kurze Hosen sind selten stylisch, nie elegant aber immer selbstbewusst.
Ein Unwetter ist eigentlich gar kein Wetter, wie die Vorsilbe „un“ vermuten lässt und ein Donnerwetter ist wettertechnisch komplett bedeutungslos. Beides muss man nur über sich ergehen lassen, ertragen und nach einer Zeit verziehen sich beide wieder. So wie der Sommer in diesem Jahr mit seinen Kapriolen.

Carola Wiegand


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