Rauchzeichen aus KUBA

Veröffentlicht am 4. Juli 2018 von Carola Wiegand

Wie vieles was in Amerika begann hat mit Christoph Kolumbus zu tun. Er kam zum ersten mal 1492 mit Tabak auf Kuba in Berührung. Männer zündeten sich Blätter an und „tranken“ den Rauch. Die Eingeborenen drehten kleine Rollen, wie „längliche Flintenkugeln“. Das „Rauchrohr“ wurde „tobago“ genannt. Daran fand Kolumbus großen Gefallen. Später, zurück in Spanien, wurde er wegen „öffentlicher Pafferei“ eingekerkert. Da seine Ehefrau davon überzeugt war, dass nur der Teufel leibhaftig Rauch spucken konnte, denunzierte sie ihn bei der Inquisition. Erst seit 1848 konnten die Bürger hier zu Lande öffentlich rauchen. Tabak wurde Genussdroge, Kunstobjekt und sprudelnde Quelle von Steuereinnahmen.
Der Tabakgenuss hatte schon immer erbitterte Gegner und große Eiferer. Goethe beklagte, dass „ … zu viel Geld in Rauch aufgeht, dumm macht und unfähig zum Denken und Dichten.“ Heute, sagt der Kolumnist der Welt am Sonntag, Hans Bewersdorff „… stehen wir wieder auf der Stufe der Inquisition. Es geht mit dem Rauchen bergab.“ Das Kulturgut Zigarre droht unterzugehen. Ich habe das Land besucht, indem das Rauchen erfunden wurde. Das Land der Zigarren, des Rums und der Lebenslust und ich hatte keinesfalls den Eindruck, dass der Zigarre das „letzte Stündchen“ schlägt. Kuba ist nach wie vor das Land der „wandelnden Schornsteine“, wie Guillermo Cabrera Infante in einer wunderbar-lustigen Geschichte beschreibt. Rauchen war anfangs nichts für Gentlemen sondern für Zauberer und Indianerhäuptlinge, die Federn anhatten und als „Schornsteinmenschen“ durch den Urwald fegten. Für Kolumbus waren die „kubanischen Rauchentwicklungsapparate“ eine weitere Attraktion des gerade Entdeckten.
Rund 300 Arbeitsschritte sind notwendig, um eine echte Havanna herzustellen. Alles wird handgemacht. Seidiger Glanz und speckiges Deckblatt, versehen mit dem Gütesiegel „Hecho en Cuba, totalmente a mano“. Und jeder „Aficionado“ (Zigarrenliebhaber) liebt seine eigene Zigarre. Fidel Castro seine COHIBA, Churchill seine ROMEO Y JULIETTA und Kennedy seine PETIT UPMANNS.
Dem Abenteurer, Draufgänger, Kuba-Liebhaber und Nobelpreisträger – Ernest Hemingway wurde ebenfalls eine eigene Zigarre gewidmet mit den klingenden Namen: Short Story und Signature.
Auch im sozialistischen Kuba hat sich viel Traditionelles um die Zigarrenherstellung erhalten. So z.B. die „Lectora de tabaqueria“ – eine Vorleserin in der Tabakfabrik. Für viele noch heute der schönste Beruf auf Kuba. Shakespeare, Gabriel G. Márquez und Artikel aus der sozialistischen Parteizeitung „GRANMA“ werden den Arbeitern vorgetragen, um ihr kulturelles Niveau zu verbessern. Aber auch einfache Lebensweisheiten und Ratschläge für private Probleme werden von den „Lectoras“ vermittelt.
Meine Überlegungen zum „Blauen Dunst“ aus Kuba sollen mitnichten ein Plädoyer fürs Rauchen sein. Jedwedes Rauchwerk ist gesundheitsschädigend und kann im schlimmsten Fall zum Tode führen, was ein „Aficionado“ wie folgt umschreibt: Die Zigarre dient nicht dazu den Körper mit Nikotin zu versorgen, sondern ausschließlich dem Genuss. Es ist ein sinnliches Erlebnis, welches zelebriert werden muss und ein elendes Ende haben kann.
Von einer E-Zigarre, als Nischenprodukt für Gesundheitsbewusste, habe ich auf Kuba weit und breit nichts vernommen.

Carola Wiegand


1 Kommentar »

  1. Annette sagt:

    Ich erinnere mich gut an den Besuch der Zigarrenfabrik während meiner Kuba Reise. Besonders das Vorlesen hat mir imponiert.

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