„Lebensgefühle“

Veröffentlicht am 6. März 2013 von Silvia Rost

GastBlog von Silvia Rost

Meine Freundin Carola, die Salonière und Bloggerin, bat mich, auf ihrer Seite einen Gast-Blog zu schreiben. Mir falle das sicher nicht schwer, meinte sie, da ich täglich mit Worten zu tun habe, sie zu Sätzen zusammenfüge, die für die Öffentlichkeit gedacht sind. Liebe Carola, du irrst. Es fällt schwer. Zum einen, weil du in deinem Blog so einprägsame Geschichten veröffentlicht hast, mit Sätzen und Gedanken, wie ich sie gerne selber formuliert hätte. Ein hoher Anspruch. Zum anderen habe ich tausend Gedanken im Kopf, die ein Blog wert wären. Doch für welchen Gedanken soll ich mich entscheiden, wie ihn weiterspinnen, ohne belehrend oder gar überheblich zu wirken? So hat es einige Tage gedauert, bis ich mich dafür entschieden habe, zwei Erlebnisse der letzten Tage in meinen Gast-Blog in den Mittelpunkt zu stellen.

Das erste Erlebnis ist schnell in einem Bild dargestellt und wird von vielen ähnlich erlebt worden sein. Nach einem langen, schneereichen und sonnenarmen Winter schien am Samstag die Sonne satt. Blauer Himmel, scheinbar federleichte Wolken schwebten über der Stadt, die Sonne wärmte wohlig und schmolz die jüngste Schnee- und Eisschicht der Landschaft weg. Ein wunderschöner Wintertag, auf den wir alle so lange gewartet haben. Es schien, als gäben uns die Sonnenstrahlen die Dosis an Vitamin D, die wir den ganzen langen grauen Winter vermißt haben. Ein wunderbares, leichtes Lebensgefühl. Ein Frühling in immer noch weißer Landschaft.

Winter in Ruhla /Thüringen     Foto: Silvia Rost

Winter in Ruhla /Thüringen       Foto: Silvia Rost

Vom zweiten Erlebnis möchte ich erzählen. Muß man/frau sich das noch antun mit Ü 50? Ist es nicht ein Vorrecht der Jugend, in Konzertsälen sich die Beine in den Bauch zu stehen, zu hüpfen, sich zu wiegen im Takt der Musik, zu johlen, zu klatschen, bis die Hände weh tun, begeistert zu sein, sich in der Woge der verzückten Fans geborgen zu fühlen, zu tanzen, den Baß in der Brust zu spüren, mitzugehen mit der rockigen Musik und den eingängigen, gefühlvollen, ehrlichen Texten… Nein, das muß man/frau sich nicht antun. Aber man kann. Und es ist toll, wenn man es wieder mal tut.

Die Tochter meiner Freundin lud mich ein zum Konzert der Gruppe PUR in Leipzig. Am Montag abend – also mitten drin in der Arbeitswoche. PUR – das Erlebnis hatten wir schon einmal vor etwa 15 Jahren. Da nahm ich ebendiese Tochter mit zu einem PUR-Konzert nach Erfurt, damals war sie selbst noch halbwüchsig. Seitdem ist sie PUR-Fan, glaube ich, vielleicht auch schon vorher. Jedenfalls hat sie das gemeinsam besuchte Konzert in Erfurt nie vergessen. Während ich die Musik der Band über die Jahre ein wenig aus den Augen, nein, eher aus den Ohren verloren habe, hat sie jeden Titel, jedes Album und viele Konzerte mit der Deutsch-Rock-Band erlebt und erfühlt, kennt alle Texte aus dem Effeff. Sie war total aufgeregt, nun endlich nach Leipzig in die Arena zu fahren.

Und es war ein Erlebnis der besonderen Art. Auch für mich, weil ich die Band und die Musik wiedererkannt habe, die ich vor 15 Jahren schon sehr gemocht habe. Und zudem neue Lieder und Texte entdeckt habe, über die ich nachdenken kann und die so nah am Leben, auch an meinem, sind. Es war auch nicht nur die Musik, die mir so unter die Haut gegangen ist, sondern auch die Atmosphäre in der riesigen Halle. Eine Menschenmenge, begeistert von der Musik, die von der Bühne klingt, und gleichzeitig ein tausendstimmiger Chor, der die Texte mitsang und selbst den Sänger Hartmut Engler offensichtlich sehr bewegte.
Ein Erlebnis in dieser Woche, daß ich lange nicht vergessen werde. Und nun läuft auch zu Hause immer mal wieder die Musik von PUR, neue und alte. „Du bist stark, hart am Wind, stark wie der Sturm, der in deinen Adern fließt, in dir wohnt“ singt Engler in einem Lied. Daß Musik – welcher Art auch immer – Kraft geben kann, habe ich wieder einmal gespürt. Stark, so habe ich mich gefühlt in der Mitte der Nacht.

Silvia Rost
Freie Journalistin und Vorsitzende des Vereins Salzunger Tafel eV
www.salzunger-tafel.de

Noch zwei, die auf den Frühling warten!

Noch zwei, die auf den Frühling warten!


3 Comments »

  1. calu sagt:

    Der Gastblog gefällt mir sehr gut. So ist es mit den Erlebnissen, kein Alter schützt davor. Und das ist gut so!
    Ich freue mich auf Deine nächsten Gedanken. Liebe Grüße calu

  2. Die Tochter der Freundin ;-) sagt:

    Der bezaubernde Text von Dir spricht mir aus dem Herzen. Es war ein wunderbares Erlebnis und ich fand es schön, dies mit Dir teilen zu dürfen! :-*

  3. Gerd sagt:

    Es macht Freude und Spass, Deinen Zeilen zuzuhören.

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