BLOG trifft: Lama Drubtscho

Veröffentlicht am 16. April 2013 von Carola Wiegand

BUDDHISMUS, ein Interview

 

Lama Drubtscho vom Dharmazentrum Möhra

Lama Drubtscho vom Dharmazentrum Möhra

Lama Drubtscho, ein schwieriger Name, flößt mir Ehrfurcht ein. Zunächst, ihr Äußeres. Eine stattlich hübsche Frau, in dunkelroter Robe, raspelkurz gestutztem grauen Haar und hellwachen freundlichen Augen. Als sie zu erzählen beginnt, ist alles gut. Ihre sanftmütig-sichere Stimme strahlt viel Warmherzigkeit aus. Ich fühle mich eingeladen, mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Mich interessiert, warum Entsagung ein lohnendes Ziel sein kann. Der große Respekt bleibt. Die nächste Unsicherheit, wie ich sie ansprechen darf, ist auch schnell geklärt: Einfach Drubtscho, das reicht. Ich beginne meine email an sie: Liebe Drubtscho, das paßt und gefällt mir. Es ist unkompliziert mit Lama Drubtscho zu kommunizieren.
Wir haben vereinbart einen Salon zum Thema „Buddhismus“ zusammen zu gestalten. Drubtscho erklärt sich freundlicherweise, und wie gesagt sehr unkompliziert bereit, mir im Vorfeld ein Interview zu geben, welches ich vorab in meinem Blog veröffentlichen kann.

Dharmazentrum Möhra – der Ort, an dem Buddha’s Lehre durch Studium und Meditation verbreitet wird

Dharmazentrum Möhra – der Ort, an dem Buddha’s Lehre durch Studium und Meditation verbreitet wird

Interview

CW: War es schwer für Sie, Ihr bürgerliches Leben zu verlassen, um Lama zu werden?
LD: Ich habe nie ein bürgerliches Leben geführt. Mein Werdegang ist ziemlich ungewöhnlich, auch wenn es mir selbst nie so vorkam. Ich hatte keine Ambitionen ein „ungewöhnliches“ Leben zu führen. Es hat sich einfach so ergeben. Die Zeit in der ich das Gymnasium beendete war die Zeit der „Aussteiger“. Viele suchten damals nach alternativen Lebensformen, um mehr selbstbestimmt und ganzheitlich leben und arbeiten zu können. Es war die Zeit der Landkommunen, Selbstversorger, Kooperativen und, und, und….Alternativ war damals das große Schlagwort. Das wollte ich auch. Ich war noch sehr jung und wußte gar nicht genau, was das sein könnte. Aber ich wußte genau, was ich nicht wollte, nämlich so leben wie meine Eltern, im Einfamilienreihenhaus.
Mit meinem damaligen Freund landete ich dann in der gerade gegründeten buddhistischen Dorfgemeinschaft Bordo in Norditalien. Wir bauten ein verlassenes Bergdorf in den Südalpen wieder auf und wir lebten dort mit vielen Familien – 15 Erwachsenen und 15 Kindern zu Anfang. Wir hatten eine eigene Schule, haben Kurse organisiert und immer viele, viele Gäste beherbergt, die den Buddhismus und das alternative Leben kennenlernen wollten.
Lama und Nonne wurde ich erst, nachdem ich 16 Jahre dort gelebt hatte und anschließend noch acht Jahre in Frankreich in Zurückziehung verbracht hatte. So gesehen war es eine ganz natürliche, graduelle Entwicklung.

CW: Erklären Sie uns bitte den Aufstieg des Buddhismus in Deutschland und das Phänomen des Dalai Lama?
LD: Der Grund dafür, daß der tibetische Buddhismus in den Westen kam, nicht nur nach Deutschland sondern nach ganz Europa, Amerika und in viele andere Länder ist die Besetzung Tibets durch China, die in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann. Die Chinesen haben während der Kulturrevolution auch in Tibet gewütet und fast alle Klöster und Tempel zerstört und die Lamas und Mönche umgebracht oder in Lager gesteckt. Innerhalb kürzester Zeit war eine jahrhundertealte Tradition zerstört. Viele buddhistische Meister sind geflohen und haben dann im Exil begonnen, ihre Aktivität so gut es ging weiterzuführen. Der Dalai Lama ist in seiner Position der höchste Lama einer der vier Schulen des tibetischen Buddhismus, nämlich der Gelugpa Schule und das Staatsoberhaupt von Tibet gewesen. Inzwischen hat er ja seine politische Position an die Exilregierung abgegeben. Er ist sehr bekannt und beliebt durch seine große Güte und Menschlichkeit, Eigenschaften, die viele der alten, aus Tibet geflohenen Lamas auszeichnet.

CW: Was bedeutet Buddhismus für Sie?
LD: Für mich ist die buddhistische Praxis ein Weg zu innerer Freiheit. Buddhismus ist ja keine Religion sondern ein Übungsweg auf dem wir unsere Schwierigkeiten, Probleme und Neurosen auflösen können und unser Weisheitspotential freilegen. Mir hat von Anfang an gefallen, daß man Methoden an die Hand bekommt, mit denen man an den eigenen Schwierigkeiten arbeiten kann. Man muß nichts einfach glauben oder übernehmen und bekommt auch keine Ziele vorgegeben, die man erreichen sollte, ohne zu wissen, wie man dahinkommen kann. Es ist alles ganz praktisch und pragmatisch. Und sehr wirkungsvoll!

CW: Was können Suchende beim Buddhismus finden?
LD: Wie schon gesagt, Methoden, also ganz praktische Handlungsanweisungen, wie wir mit unseren Schwierigkeiten und Problemen konstruktiv umgehen können um zu mehr Gelassenheit, innerer Freiheit und schließlich völliger Befreiung von Leiden zu finden. Es sind keine Patentrezepte und es ist kein schneller Weg. Es erfordert die Bereitschaft, sich auf die Übung einzulassen, aber dann ist buddhistische Praxis sehr effektiv und hilfreich und jeder/jede kann da beginnen, wo er oder sie gerade steht.

CW: Passen Buddhismus und Familie zusammen?
LD: Buddhismus kann in jeder Lebenssituation geübt werden. Mein Lehrer war ein tibetischer Meister, der als Teenager aus Tibet geflohen war. Er war mit einer Engländerin verheiratet, hatte drei Töchter und arbeitete im britischen Museum. Er konnte uns wunderbar vermitteln, wie man im Alltag besonders im Familienleben üben konnte.

CW: Welche Rolle spielen exzentrische Figuren des westlichen Showgeschäfts, um den Buddhismus populär zu machen?
LD: Richard Gere und andere haben durch ihre eigene Popularität sicher dazu beigetragen, daß der tibetische Buddhismus populär wurde und das auch genutzt, um die Leiden der Tibeter unter der chinesischen Unterdrückung sichtbar zu machen.

Dharmazentrum Möhra – in naturbelassener Umgebung am südlichen Rand des Thüringer Waldes

Dharmazentrum Möhra –
in naturbelassener Umgebung
am südlichen Rand des Thüringer Waldes

CW: Wie unterscheidet sich der tibetische vom europäischen Buddhismus?
LD: Buddha lebte ja in Indien, wo der Buddhismus später von den Moslems verdrängt wurde bis er gar nicht mehr existierte. Die buddhistischen Lehren kamen dann nach China, Japan, Thailand, Sri Lanka, Tibet usw. und nahmen in jedem Land ganz spezifische Formen an, den jeweiligen Gepflogenheiten entsprechend. Man kann sagen, daß die Essenz, der Inhalt der Lehren immer gleich blieb, daß sich aber die Art, wie geübt wurde der Mentalität der Menschen angepaßt hat.
Dieser Prozeß findet jetzt auch hier statt. Wir lernen erst mal den Weg und die Methoden in ihrer traditionellen, ursprünglichen Form gut kennen. Das ist wichtig, damit die Übertragung korrekt ist. Dann gilt es aber auch, herauszufinden, welche Art zu üben für den modernen westlichen Menschen die angemessenste ist. Das ist ein langer Prozeß, der gerade erst begonnen hat.

CW: Erklären Sie uns bitte den Satz: „Ein meditierender Mensch gewinnt eine ganz besondere Sicht der Dinge?“
LD: Es scheint, daß immer mehr Menschen an Meditation interessiert sind. Ich denke, das liegt daran, daß unsere modernen Lebensbedingungen immer hektischer und stressiger werden. Viele müssen sich mit Ängsten, Nervosität und andern psychischen Problemen herumschlagen. Probleme, für die unsere moderne Medizin oft auch keine wirkliche Lösung weiß. Meditation kann für solche Schwierigkeiten von Nutzen sein. Allerdings geht buddhistische Meditation in ihrer Zielsetzung weit über das bloße Lindern von solchen Symptomen hinaus. Ziel ist die völlige Befreiung von den Ursachen der Probleme.

CW: Sind Sie ein geduldiger Mensch?
LD: Ich glaube schon.

CW: Was ist für Sie Glück?
LD: Eine Freude die unabhängig von äußeren Umständen entsteht, eine innere Gelassenheit in der ich weiß, ich kann mit allen Situationen arbeiten.

CW: Wo würden Sie am liebsten leben?
LD: Da wo ich gerade bin.

Ich danke Lama Drubtscho sehr herzlich für Ihre sehr freimütigen Antworten und für beeindruckend neue Erfahrungen.
Es wird bestimmt ein wunderbarer Salon, vielen Dank, liebe Drubtscho!!


3 Comments »

  1. Beate sagt:

    Ich habe den Salon besucht und fand ihn wunderbar. Namröl, die Nonne ist ein sehr aufgeschlossener Mensch. Ich denke über einiges neu nach und glaube, dass Meditation hilfreich sein kann.
    LG Beate

  2. Hello. remarkable job. I failed to imagine this specific. This is a good story. Thanks!

  3. Einmal was Anderes. Immer weiter so.

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