BuchTOUR

Veröffentlicht am 3. Juni 2013 von Carola Wiegand

Das Blumenbild“ von Ursula Dorn

Blumenbild-300Johannes Dicel, Seebachs großer Sohn, bildet den realen Hintergrund für eine mehr oder weniger frei erzählte Geschichte von Ursula Dorn. In ihrem Buch „Das Blumenbild“ begibt sie sich auf eine Reise in das dörfliche Leben von Seebach am Ende des Dreißigjährigen Krieges. Die persönliche Chronik des Johannes Dicel wird begleitet von stimmungsvollen Bildern des Lebens dieser Zeit und erzählt von seiner unendlichen Be­schwer­lichkeit und von Hoffnung. Umrahmt wird dieses -Heimatbild- von einer zarten, einnehmend-warmherzig beschriebenen Liebesgeschichte zwischen Johannes und Lisbeth.
Dorn beschreibt den jungen Dicel ab 1695. Sie vermischt Reales und Verborgenes zu etwas Glaubhaftem. Zu einer Geschichte, die den Leser von Beginn an gefangen nimmt und bis zum Ende nicht wieder loslässt.

Um es vorweg zu sagen, ein sehr lesenswertes Buch, das auch Leseabstinente begeistern wird!

Wenn es heute um das Seebacher Schulwesen geht, und es geht oft darum, darf sein Name nicht fehlen – Johannes Dicel.
Er wird am 10.10.1676 als siebtes Kind des Tagelöhners und Leinewebers Hanns Dicel in Seebach geboren, lernt das Handwerk eines Leinewebers und verdingt sich ebenfalls als Tagelöhner, wie sein Vater. Als Mutter und Vater sehr zeitig sterben, übernimmt ein Bruder das elterliche Anwesen und setzt Johannes mittellos und von Krankheit geschwächt, vor die Tür.

Hier beginnt Ursula Dorn mit ihrer Geschichte.
In der von Kummer und Not geprägten Zeit lässt sich Johannes nicht unterkriegen. Sein fröhliches Naturell und sein helles Köpfchen helfen ihm im täglich Kampf nicht aufzugeben. Von der Mutter hat er gelernt, Heilkräuter und Pilze zu sammeln und sie gegen Krankheiten einzusetzen.
Der Meier, Hans Helm, vom Meiergut Hucherode gewährt ihm eine bescheidene Kammer als Unterkunft. Hier beginnt er zu malen, ein Talent, das ihn seit Kindertagen begleitet.

„… ich als Bauer verstehe ja nicht viel von Kunst, aber wie du Gottes herrliche Natur auf eine Leinwand zaubern kannst, davor habe ich alle Achtung“ lobt ihn Hans Helm.

Johannes hat viele Talente. Doch sein größtes besteht noch immer darin, Krankheiten mit seinen Heilkräutern zu kurieren.
Als es ihm gelingt die Frau seines Schutzpatrons und Unterstützers, Frau Anna Helm, mit seiner Medizin zu heilen, obwohl sie bereits dem Tode geweiht schien, genießt er großes Ansehen im Dorf und darüber hinaus als Wunderdoktor. Ob Schwindel, Schnupfen oder Herzenspein, Johannes hat für alles ein Kraut.
Er verkauft seine Bilder, tüncht und bemalt kunstvoll Wohnungen und er webt die Aussteuer für Hans Helms Tochter, Christina.
Bald betreut er bis zu 40 Patienten pro Tag und kann sich eine eigene kleine Heilpraxis leisten.
Sein bescheidener Wohlstand wächst und mit ihm sein Selbstvertrauen. Er möchte etwas Großes schaffen, davon hatte er bereits als Kind geträumt. Und mit jedem, noch so kleinen Erfolg nimmt seine Gewissheit zu, es erreichen zu können. Mit den sich ständig bessernden finanziellen Möglichkeiten erstarkt auch sein Wunsch, mit einer „lieben Frau ein eigene Familie zu gründen“.

Hier erzählt Ursula Dorn sehr behutsam und einfühlsam die Liebesgeschichte zwischen Johannes und der Magd Lisbeth, die so inniglich sein Interesse an der Medizinherstellung mit ihm teilt. Die tugendhafte Lisbeth Köllner aus Thal und der 22 Jahre jüngere Wunderdoktor, Johannes Dicel heirateten am 18.10.1697.

Ich könnte noch so viel erzählen von beiden Protagonisten, vom dicken, aber nicht gewollten Medizinbuch, von manch glücklichem Zufall und vom Traum einer Kirche und einer Schule für Seebach, doch ich möchte Sie inspirieren und anregen, das Buch selbst zu lesen, um zu erfahren wie es weitergeht im Leben von Lisbeth und Johannes Dicel. Und es passiert noch sehr viel.

Ob Burggräfin oder Habenichts, Knecht, Bauer oder Pächter. Alle erhalten ihren Platz in dieser Geschichte. Sie schreibt mit unbestritten historischem Bezug anschaulich und lebendig. Ihr ganzheitlicher Anspruch vereint Geschichte, Geographie, Soziologie und Literatur. Die sachlich-emotionale Sprache gleitet zu keiner Zeit ins Pathetische ab.
Heimatgeschichte wird erzählt, objektiv, wahrheitsgetreu, phantasievoll und mit viel sachlichem Herzblut. Ein gelungene Mischung aus Unterhaltung und Bildung. Bisweilen auch spannend, wie ein Krimi.
Eine besonders liebenswerte Note verleiht Dorn ihrem Buch, indem sie die Leser mitnimmt an Orte und über Wege im Thüringer Wald, die jeder kennt und macht das Buch mit dieser geografischen Lokalisierung zugleich zu einem Nachschlagewerk.

Ursula Dorn erzählt uns eine Geschichte vom Aufstieg in hochbekümmerlichen Zeiten, von Starrköpfigkeit und Standesdünkel, die so oder so ähnlich auch im Heute handeln könnte. Und man kann ahnen, warum wir Heutige Dicel besser zu schätzen wissen, als seine Zeitgenossen.

Deshalb sei ihnen „Das Blumenbild“ wärmstens empfohlen! Dieser Lesestoff ist definitiv nichts zum ermüden.
Und seien Sie gespannt auf die Fortsetzung!
So viel sei verraten. Am 09.11.1758 stirbt Johannes Dicel im gesegneten Alter von 82 Jahren, als ‚Hochfürstlicher Medicus’ und als wohlhabender Mann. Sein Vermögen umfasst 16.000 Taler und nicht unerheblichen Grundbesitz.

Über die Autorin:
Ursula Maria Dorn ist Seebacherin und von Natur aus wissbegierig, will den Dingen auf den Grund gehen und keinesfalls alles für sich behalten.
Natur- und Heimatkunde haben sie schon immer interessiert und es bereitet ihr Freude, anderen Geschichten zu erzählen und jetzt hat sie Zeit dazu.
Sie ist nicht zu verwechseln mit Ursula Dorn, ebenfalls Buchautorin jedoch aus Ostpreußen.


Keine Kommentare »

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.