Buchbesprechung

Veröffentlicht am 3. Februar 2014 von Carola Wiegand

Lilienprinz“ von Ursula Dorn

 

lilienprinz Der Schauplatz des Buches ist die größte griechische Insel – Kreta. Mit 300 Sonnentagen im Jahr ist sie auch als Sonneninsel im Mittelmeer bekannt. Abgesehen von herrlichem Wetter, leckerem Essen und bizarrer Natur ist das Beste an Kreta, seine Geschichte.

Kreta erlebt um 1400 v.Chr. eine wahre Blüte. König Minos, Sohn von Zeus und der Europa, und seine Frau Pasiphae beherrschen die Insel und leben in ihrem gigantischen Königspalast Knossos. Mit dieser minoischen Kultur hat unsere abendländische Geschichte begonnen. Das erste philosophische Wissen und die Grundlagen der klassischen Logik haben hier ihren Ursprung. Doch Kreta kann nicht von seinem kulturellen Erbe allein, noch von den unzählig vielen Ziegen oder von geschätzten 30 Millionen Olivenbäumen leben. Die Haupteinnahmequelle ist der Fremden­verkehr.

Die Autorin macht sich gemeinsam mit ihrem Mann und Freunden auf eine Urlaubsreise zu dieser mythenumwobenen Insel. Diese Reise ist ein einziges Abenteuer. Um uns von all dem zu erzählen, bedient sich Ursula Dorn einer ganz besonders reizvollen Imagination. Sie lässt den Lilienprinzen aus einem alten Stuckfresko steigen, welches bei der Ausgrabung des Palastes von Knossos gefunden wurde, und an ihre Seite treten. Sie bemüht keinen Geringeren als den unehelichen Sohn des sagenhaften Königs Minos, um die griechische Mythologie und Gegenwart besser verstehen und uns erklären zu können. Die Gespräche zwischen der Autorin und dem Prinzen erreichen mitunter eine Intensität, dass ich beim Lesen des Buches den Eindruck gewinnen konnte, es gibt ihn tatsächlich.

Um es vorweg zu sagen, diese etwas andere Reisebeschreibung lebt von ganz viel blühender Phantasie.

Der Lilienprinz begegnet der Autorin ganz zu Beginn ihrer Kreta Reise und übt auf sie eine besondere Magie aus. Sie betrachtet ihn mehrfach und beginnt zu glauben, dass er ihr zublinzelt. Sie ist irritiert. Sein schönes Gesicht, die blauen Augen und sein Lächeln nehmen sie total gefangen. Sein sorgsam onduliertes Haar, die glänzenden Haarsträhnen, die Goldkettchen und seine alabasterweiße Haut verleihen ihm etwas Puppenhaftes. Plötzlich hört sie ein leises Lachen und eine Stimme bittet sie, ihm behilflich zu sein, aus dem Stuckrahmen zu steigen. Sie schaut sich ängstlich im Raum um. Doch kein anderer Besucher bemerkt etwas. Der Lilienprinz steht neben ihr und ein leichter Hauch von Orangenblüten steigt in ihre Nase. Genau mit diesem Geruch kündigt sich später sein Kommen immer wieder an.

Bei den täglichen Ausflügen der Autorin zu vielen Sehenswürdigkeiten der Insel entwickelt sie ihre ganz eigene Phantasie, um eine Geschichte hinter den Amphoren, Vasen, Trinkgefäßen und Skulpturen zu erahnen. Sie bereist grüne Täler, hohe Berge und blaue Buchten, kommt an Heiligtümern und Treppenanlagen aus eigenartigen Steinen vorbei und hat viele „komische“ Fragen, wie die Reiseleiterin bemerkt. Doch immer dann, wenn es mehr Fragen als Antworten gibt, verspürt sie einen leichten Windhauch, vernimmt den Duft von Orangenblüten und der Lilienprinz mit der Federkrone erscheint. Er trägt eine Lilie bei sich, um ab und zu daran zu riechen, da König Minos, in dessen Nähe er sich oft befand grässlich transpirierte und dadurch einen ätzenden Körpergeruch verströmte. Der Prinz hat auf all ihre Fragen eine Antwort. Bisweilen macht er sich über die leichtgläubigen Touristen lustig und erzählt die Geschichte aus seiner erlebten Sicht. Außenstehende haben keinen Zugang zu diesen Gesprächen, niemand erspürt diese Magie. Nur manchmal bemerkt ihr Mann, dass sie schon wieder „Bummelletzte“ ist. Ursula Dorn erkennt sehr schnell den Nutzen dieser privilegierten Möglichkeit den Mythen und der Kultur noch tiefer auf den Grund zu gehen. Soviel Begegnung hätte sie nie erwartet. Realität oder Phantasie?

Die Autorin bedient sich hier eines Erzählstils, der eine große Nähe zur griechischen Vergangenheit und Gegenwart zulässt und sie auf ungewohnte Art für den Leser erfahrbar macht. Es handelt sich nicht um eine historisch fundierte Geschichte, eher um ein ständiges Kommentieren dessen, was der Autorin persönlich begegnet und sie bewegt. Sie mischt dabei ihr historisches und aktuelles Hintergrundwissen mit ihren persönlichen Urlaubserlebnissen und einer großen Portion Phantasie. Gewissermaßen eine Reisebeschreibung und ein Fantasieroman.
Ursula Dorn hat das Buch geschrieben, um außergewöhnliche Augenblicke festzuhalten. Außergewöhnlich deshalb, weil sie ihre Seele berührt haben. Man merkt dem Buch den Spaß am Fabulieren und Phantasieren an. Urlaubserinnerungen werden mit erlebten Tagträumen blumig ausgeschmückt.

Deshalb sei ihnen der „Lilienprinz“ wärmstens empfohlen! Dieser Lesestoff ist definitiv nichts zum ermüden. Er wird im Gegenteil ihre Lust entfachen, die Insel selbst kennenzulernen.

Über die Autorin:
Ursula Maria Dorn ist Seebacherin und von Natur aus wissbegierig, will den Dingen auf den Grund gehen und keinesfalls alles für sich behalten.
Natur- und Heimatkunde aber auch ferne Länder haben sie schon immer interessiert und es bereitet ihr Freude, anderen Geschichten zu erzählen. Jetzt hat sie Zeit dazu.
Sie ist nicht zu verwechseln mit Ursula Dorn, ebenfalls Buchautorin jedoch aus Ostpreußen.


Keine Kommentare »

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.