Familie im Wandel

Veröffentlicht am 31. März 2014 von Carola Wiegand

Vom Mythos der modernen, emanzipierten Frau

nachfeier

Was glauben sie, sind junge Frauen heute emanzipiert, gleichberechtigt oder eher nachgiebig und angepasst? Wie sieht die Gleichberechtigung aus? Einige sagen, sie stagniert. Natasha Walter behauptet in ihrem Buch „Living Dolls“ gar, dass heute die Ideale des Feminismus beinahe ins Gegenteil verkehrt werden. Feminismus klingt noch immer wie, „Männerhassen“, unweiblich und verbiestert. Vielleicht nachvollziehbar aber trotzdem falsch. In der ersten Welle des Frauenkampfes ging es um Bürgerrechte, wie Wahlrecht, Bildung und Erwerbstätigkeit, eben die Neubewertung der Geschlechterrollen. Später um Gleichberechtigung. Heute kommt der neue Feminismus moderat daher und auf leiseren Sohlen. Hin und wieder verstummt er auch, der Girlie-Feminismus. Man könnte fast glauben, dass längst alle Ziele erreicht sind und Chancengleichheit von Mann und Frau gesellschaftlicher Konsens ist. Manchmal überlege ich, was wir unseren Töchtern mitgeben konnten von der „femme fatal“ der 1980ger Jahre oder den dominanten Power-Frauen der 1990er Jahre? Die jungen Frauen von heute distanzieren sich vom Feminismus alter Schule.
Das neue Frauenbild fühlt sich gut an, ist individuell und flexibel, attraktiv und schlank, hat Spaß und ist scheinbar gleichberechtigt. Kinder, Familie und Karriere, alles geht, wenn man nur will. Das Generalmotto lautet: „Spaß haben und sich gut fühlen“.
Doch beim genauen Hinsehen werden die scheinbar abgetakelten Rollenmuster ebenso aufrecht erhalten, wie die behüteten Machtstrukturen. Egal, ob bei der männlich dominanten „Monokultur“ in den oberen Etagen oder der alltäglichen Fairness im Umgang mit Frauen.
Frauenbefreiung war gestern, heute geht es um alles – Einfluss, Macht, Geld. Es geht um das Teilen der Grundprivilegien in unserer Gesellschaft und wenn Frauen sich auf diesen Weg machen, droht Gefahr. Indes, das neue Übervorteilen ist subtiler geworden und geschieht nicht selten mit ihrem Einverständnis. Emanzipation und Selbständigkeit werden zum Luxusgut, denn nur wer Geld hat, kann sich dies leisten. Allein erziehende Mütter sehen sich da schon eher einem drohenden Armutsrisiko gegenüber und spätestens da, hört der Spaß auf.
Die Zeit der alten „Schlachtrösser“ ist vorbei, die Probleme sind geblieben. Sie haben sich vielleicht ein wenig verschoben, doch selten zum Besseren. Und wer glaubt, dass das Thema Gleichberechtigung erledigt sei und Frauen emanzipiert, der irrt!
Bei so viel Ambivalenz glaube ich, dass intelligente Frauen sich bald wieder stärker dem Thema Feminismus zuwenden werden müssen.

Carola Wiegand


1 Kommentar »

  1. sternchen sagt:

    Ich denke auch oft über das Thema nach und sehe es ähnlich wie du. Im täglich Umgang mit jungen Frauen könnte man glauben, die haben doch alles erreicht, denen geht es gut. Doch beim genauen Hinsehen, differenziert sich einiges.
    Überlegungen haben mir gut gefallen s

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