Osterfeuer

Veröffentlicht am 22. April 2014 von Carola Wiegand

Heidnische Bräuche und christliche Traditionen

Osterfeuer

Feuer war schon im Altertum bei Menschen und Göttern heilig. Das christliche Osterfeuer entstammt dem heidnischen Frühlingsfeuer. Wärme und Licht sind ganz klar auf die Vertreibung des Winters und seiner dunklen Geister aus. Symbolhaft wird versucht, die Sonne, als das Urfeuer, auf die Erde zu locken, um Fruchtbarkeit, Wachstum und Ernte – das Leben eben – zu sichern. So wird die Vermutung, dass Ostern – das hohe christliche Fest, auf heidnischen Bräuchen basiert, immer wieder neu entfacht.

Doch dem widerspricht der Theologieprofessor, Manfred Becker-Huberti vehement und erklärt, dass es absolut kein Widerspruch ist, dass Osterfeuer und Ostereier sowohl eine religiöse wie auch eine vorchristliche Bedeutung haben. Die Forschungsergebnisse seien hier eindeutig. Das Osterfeuer versinnbildlicht die Lichtwerdung ebenso wie die Freude über die Auferstehung Christi. Erst die Nazis haben sich die Vorstellung, dass das Christentum bei vielen großen Feierlichkeiten und Ritualen gar nicht so eine große Rolle spielt zu Nutze gemacht, um die Kirche zu entmachten. Auch Jacob Grimm postulierte das Osterfest als ein heidnisches Fest und begründete die Osterbräuche mit der germanischen Frühlingsgöttin ‚Ostara’. Dank der Grimm’schen Popularität fand diese Erklärung großen Anklang in der Bevölkerung und war weit verbreitet. Die Existenz dieser germanischen Göttin wird heute von Wissenschaftlern bestritten bzw. stark angezweifelt.

Ein weiteres Symbol heidnischen Ursprungs ist das Osterwasser, welches in der Nacht vom Karsamstag auf Ostersonntag geschöpft und geweiht wird, um das ganze Jahr als Taufwasser zu dienen. Sie sollten sich keinesfalls wundern, wenn sie in dieser Nacht, von Mitternacht bis Sonnenaufgang, junge Mädchen wasserschöpfend am Erbstrom antreffen. Kein Tropfen darf verschüttet werden. Sie tun das, um ihre Familien vor Unglück zu bewahren und sorgen dafür, dass der Kirche das ganze Jahr über das Taufwasser nicht ausgeht. Sollten sie das Schöpfen von Osterwasser noch nie beobachtet haben, mag es daran liegen, dass sie um diese Zeit immer im Bett liegen und schlafen. Aus Dankbarkeit für das lebenspendende Wasser werden noch heute viele Brunnen geschmückt. Doch, dass der Erbstrom jemals aus diesem Grunde geschmückt wurde, davon habe ich noch nie etwas gehört.

Doch mal ganz ehrlich. Durchschaut man diesen schleierhaften Zusammenhang der Oster- und Frühlingsbräuche weiß man nur, dass man nicht viel weiß! Reichlich Spekulation und dürftige Unterlagen sind bei allem im Spiel.

Uns Heutigen bleibt nur, diese willkommene Möglichkeit zu nutzen, um sich mit Freunden zu treffen, eine ausgezeichnete Bratwurst am prasselnden Osterfeuer zu genießen, ein gutes Gespräch mit Freunden zu führen und die wohlige Wärme des Osterfeuers ins sich aufzunehmen, die sich möglicherweise in die schönsten Frühlingsgefühle verwandeln kann. Warten wir’s ab.

Auch in Ruhla gibt es eine Tradition des Osterfeuers. Bereits vor Einbruch der Dunkelheit versammeln sich Ruhlaer und Gäste, Christen und Nicht-Christen im Stadion Mittelwiese, um das „Feuerspektakel“ zu feiern. Man glaubt, die großen gierigen Flammen verschlingen das Holz in kürzester Zeit, doch die Feuerwehrleute verstehen ihr Handwerk. Geschickt und akribisch, sorgfältig und gewissenhaft haben sie verschiedene Hölzer so zu einem hohen Turm geschichtet, so dass die Zuschauer lange das Feuergepolter genießen und sich wärmen können. So das man in Ruhla zu dem Schluss kommen kann, das Osterfeuer ist weder christlich noch heidnisch sondern Sache der Feuerwehr!

Carola Wiegand


1 Kommentar »

  1. sternchen sagt:

    So intensiv habe ich nie übers Osterfeuer nachgedacht. Ich genieße es einfach, wenn es wieder soweit ist. Ich habe deine Gedanke jedoch gerne und vergnügt gelesen s

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