3. Ein Salon in der Provinz

Salon „Calu“ – die etwas andere Kultur in Ruhla

Artikel im Thüringer Landstreicher

LEBENSKUNST im Umgang mit sich selbst heißt, mit sich selbst befreundet sein!“ Das Zitat von Aristoteles ist ein Motto von Dr. Carola Wiegend, der Saloniére von Ruhla. Lebenskunst heißt ihr Salon, den sie seit dem Frühjahr 2009 in ihren eigenen vier Wänden in Ruhla mindestens einmal im Monat veranstaltet.

Als Dr. Carola Wiegand vor einem Jahr mit dem etwas anderen Kulturangebot begann, kannten die meisten eine solche Form nicht. Zumal in der kleinen Stadt Ruhla, „Kulturprovinz“ mag da mancher Großstädter meinen. Doch mittlerweilen hat die sympathische, weltgewandte und aufgeschlossenen Ruhlaerin viel Zuspruch für die Salonabende gefunden und schon etliche Stammgäste, die immer wieder gerne kommen.

Das ist kein Wunder, es sind schon mehrere angenehme Dinge, die hier aufeinander treffen. Die Palette der Themen zu den monatlichen Salongesprächen ist sehr breit und bunt gefächert. Ob nun Natur, Musik, menschliche Verhaltensweisen, Emotionales, Wissenschaftliches, verständlich dargebracht, Politisches, ohne es langweilig zu werden. Viele Bereiche des menschlichen (Zusammen-)Lebens werden angesprochen und je nach Thema eher ernsthaft und nachdenklich oder mit einem leicht humoristischen Einschlag oder einem verschmitztem Lächeln dargebracht. Unterhaltend in jedem Falle. Die in diesem Jahr auf dem Plan stehenden Themen sind vielversprechend, zum Beispiel: „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Müssen Eliten Vorbilder sein?“, „Böse Mädchen, gute Mütter“ oder ein Salonabend über den Islam. Doch es geht um die deutsche Sprache, die Pflege des Rühler Dialektes, um Mensch und Technik. Jeder Abend hat einen Spezialisten als Gast, Saloniére Carola Wiegand begleitet mit Lyrik, Zitaten oder kleinen literarischen Texten zum jeweiligen Thema. Handgemachte Musik ist immer Bestandteil eines Salonabends, Jazz, sanfte Gitarrenklänge, Flötenmusik. Die besondere und unverwechselbare Mischung aus Wissenschaftlichem, Sachlichem, dem Lyrischen und dem Musikalischen an nur einem Abend, das macht es wohl aus.

168Salon-Calu1Nicht selten sind Gäste dann bis weit nach Mitternacht im Haus von Carola Wiegand – die sich meist an den „offiziellen“ Teil anschließenden Gespräche in lockeren kleinen oder größeren Runden gehören unbedingt zu einem Salonabend dazu. Gesprächsthemen, die ergeben sich immer, häufig gibt das Thema des Abends Anregungen, nicht weniger oft gesellen sich verwandte oder tangierende Inhalte hinzu. So gut wie der Salonabend vorbereitet und haarfein geplant wird, ist der Fortgang des Abends in den Gesprächsrunden weitgehend offen.

Menschen begegnen, Meinungen austauschen, Anregungen für sein eigenes Leben finden, geistige Bereicherung mit nach Hause nehmen, das ist Inhalt, ja vielleicht sogar Programm der Salonabende im Hause Wiegand.
Nicht unwesentlich Einfluß nimmt das Ambiente auf den Erfolg der Salonabende in Ruhla. Die Abende finden im privaten Bereich statt – im Wohnhaus von Carola Wiegand und ihrem Lebensgefährten Manfred Lutherdt. Sie empfangen und begrüßen jeden ihrer Gäste persönlich an der Eingangstür. Und es ist nicht nur das flackernde Kaminfeuer, sondern auch die offene und unverkrampfte Herzlichkeit, die gleich zu Beginn des Abends ein behagliches Gefühl beim Besucher auslöst. Jedem Besucher wird das schöne Gefühl entgegengebracht, hier im Hause herzlich willkommen zu sein.
Der Salon in Ruhla ist alles andere als ein elitärer Zirkel, wo lebensfremde Inhalte diskutiert werden. Die Salonabende im Salon „Calu“ sind prall gefüllt mit Kultur, ja auch und vor allem mit der vielfältigen Kultur des Alltags. Der philosophische Anspruch der Abende läßt die Kultur das sein, was sie ausmacht – etwas Bewahrenswertes, Anregendes, etwas Besonderes, das unweigerlich zum Leben gehört, den Menschen Kraft und Zuversicht gibt.

Dr. Carola Wiegand ist als Saloniére zufrieden mit dem ersten Jahr des Salons. Das Konzept ist gut, es kommt an, die Dreiteilung von Thema, Anekdotischem und Musik macht den unverwechselbaren Charakter des Salons aus. Im Durchschnitt können 20 Besucher an einem Salonabend begrüßt werden, das höchste waren einmal 28 Gäste. Sie alle werden traditionell von der „Theejungfrau“ mit Butterbrot und Tee bewirtet.
Die Ideen für die kommenden Salons gehen Carola Wiegand nicht aus. Mindestens zweimal im Jahr soll ein reiner Musik-Salon stattfinden, gerne würde sie einen regelmäßigen Jazz-Salon installieren. Ihre Vorstellungen haben sich verwirklicht, der Salon ist eine feste Größe im kulturellen Leben der kleinen Stadt geworden.


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