4. Arbeitskreis – Ruhlaer Juden –

Ruhlaer Juden – ein schärfender Blick
in die Geschichte

Artikel in der Ruhlaer Zeitung vom 12.6.2013

Die deutschland- und europaweite Zunahme fremdenfeindlicher und antisemitischer Äußerungen und Gewalttaten werden auch in Ruhla nicht überhört.
Mit dieser Ausgangsüberlegung wollte die Salonière, Carola Wiegand, im September 2012 einen Salon zum Thema „Ruhlaer Juden und ihre Geschichte“ veranstalten. Schnell fanden sich Interessierte, die recherchierten, Zeitzeugen befragten und in Archiven stöberten. Doch die Datenlage jüdischen Lebens in Ruhla blieb dürftig. Der Salon wurde kurzerhand abgesagt und auf November 2013, dem 75. Jahrestag der Reichsprogromnacht, verschoben.
Die Interessierten gaben sich nun den Namen, „Arbeitskreis Ruhlaer Juden“ fanden in Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler einen Befürworter und formulierten für sich das Ziel, dem Leben Ruhlaer Juden nachzuspüren, um auf diesem Weg ein Stück Geschichte der Stadt aufzuarbeiten. Der Arbeitskreis, der sich einmal im Monat trifft, unternimmt den Versuch, jüdische Lebensschicksale, deren Tragweite sowie Erklärungsansätze aufzufinden und niederzuschreiben. Wir wollen die Geräuschlosigkeit brechen, die zu diesem Thema über der Stadt schwebt. Wir wollen informieren und gedenken – nicht anklagen.

Namen wie Handschumacher, Dr. Cohn und Katz sind bekannt. Sie haben respektabel und angesehen in Ruhla gelebt und gearbeitet. Doch was wissen wir über ihr Leben und ihre mögliche Leidensgeschichte? Viele ihrer Häuser existieren nicht mehr und die Erinnerungen von Zeitzeugen sind oft widersprüchlich.

An zahlreichen Orten erinnert sich die Bevölkerung ihrer jüdischer Mitbürger. In einigen Städten, so auch in Eisenach, wird durch die Aktion „Stolpersteine“ ihrer gedacht. Kleine Messingplatten, die im Bürgersteig eingelassen sind zeigen, wo sie gelebt haben und berichten über ihr grausames Ende. Jeder Stolperstein mahnt, diese Gräueltaten nie zu vergessen und nie aufzuhören, wachsam zu sein, um rechtes Gedankengut im Ansatz zu verbannen!
Wir scheuten keinen Aufwand, uns Material in Archiven, Standesämtern und Zeitungen zugänglich zu machen. Und wir haben viel gesammelt. Besonders bedrückend für uns war das Auffinden eines Deportationsbefehls für Berta Handschumacher (geb. Mosenthal), der im Juni 1944 an sie erging. Dieser wird Bestandteil der Gesamtdokumentation des Arbeitskreises sein.
Ziel unseres Engagements ist die Verlegung von Stolpersteinen oder das Anbringen einer Gedenktafel, um in Ruhla ein Zeichen zu setzen.
Wir wollen nicht vergessen und wir hören genau hin!

Der Arbeitskreis verbindet mit diesem Artikel eine herzliche Bitte an alle Leser. Trotz umfangreicher Recherchen sind uns Informationen von Ruhlaer Bürgern sehr wichtig, die aus eigenem Erleben oder aus Erzählungen von Verwandten noch etwas wissen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns bei der Aufarbeitung Ihr Wissen oder auch Fotos zur Verfügung stellen würden.

Wir werden alle Rechercheergebnisse in mehreren Folgen in den ‚Heimatgrüßen’ dieser Zeitung veröffentlichen. Der Abschlussbericht ist für November 2013 geplant.

Kontakt:
Arbeitskreis Ruhlaer Juden
Prof. Dr. Peter Geck
Geschwister-Scholl-Str. 22
99842 Ruhla
Tel.: 036929/89676

– Arbeitskreis Ruhlaer Juden ­–
Prof. Dr. Peter & Gisela Geck, Anita & Peter Thiel, Erika Liebetrau, Elisabeth & Peter Montag, Dr. Carola Wiegand & Prof. Dr. Manfred Lutherdt

2 Comments »

  1. Joseph Kleine sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Geck,
    rein zufällig bin ich auf den „Arbeitskreis Ruhlaer Juden“ gestoßen. Ich bin auf der Suche nach einem möglichen jüdischen Ursprung von Personen. Den herauszufinden ist mir sehr wichtig. Es geht darum festzustellen, ob eine Frau „Halbjüdin“ gewesen ist, was bezweifelt wird, aber stimmt. Ihr Mann hat 1934 den Stammbaum seiner Frau gefälscht,handschriftlich bei der Partei vorgelegt, um ihr Leben zu retten. Der Stammbaum wurde anerkannt. Es geht um folgende Ehepaare:
    Georg Christian David Schönsatter (?), geb. 21.11.1833, evgl., in Ruhla, gest. 20.01.1911 in Ruhla – Dorothea Friederika Zimmermann, geb. 29.04.1834, evgl., in Ruhla, gest. 02.12.19o2 in Fischbach – Johann Chirstoph Schönsatter (?), geb. 22.02.1806, evgl., in Ruhla, gest. 14.05.1887 in Ruhla – Dorothea Wilhelmine Mahl (?), geb. 28.04.1808, evgl., in Ruhla, gest. 30.06.1869 in Ruhla – Johann Christian Elias Zimmermann, geb. 16.02.1808, evgl., in Ruhla, gest. 14.07.1865 in Ruhla – Christine Wilhelmine Schenk (?), geb. 16.11.1809, evgl., in Ruhla, gest. 18.10.1885 in Ruhla. Vornamen könnten auf eine jüdische Glaubensgemeinschaft schließen lassen.
    Darf ich eine Bitte vortragen: Könnte die „Arbeitsgemeinschaft“ über die genannten Personen Nachforschungen bezüglich ihres jüdischen Ursprungs machen? Natürlich nicht unentgeltlich. Über den Preis für die geleistete Arbeit, die sicherlich Zeit in Anspruch nimmt, könnte man sich einigen. Die Frau, derentwillen ich intensiv Nachforschungen anstelle, ist 1942 an Herzversagen verstorben, infolge der Demütigungen als „Halbjüdin“. Man hat dem Mann zur Bestattung seiner Frau den Leichenwagen versagt und auch zunächst eine Grabstelle auf dem Friedhof mit der Begründung, man wolle „kein dreckiges Judenweib“ auf dem Friedhof haben. Im gleichen Jahr wurde eine Schwester des Mannes, übrigens ein heimischer Künsler, Opfer der Euthanasie in Eichberg.
    Ich habe mit meinem Anschreiben Ihre Zeit hoffentlich zu sehr in Anspruch genommen.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Joseph Kleine
    Deventerweg 49
    59494 Soest

  2. Joseph Kleine sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Geck,
    rein zufällig bin ich auf den „Arbeitskreis Ruhlaer Juden“ aufmerksam geworden. Die in der Ruhlaer Zeitung genannten Motive bzw. Ziele des Kreises haben mich sehr beindruckt, nämlich „jüdische Lebensschicksale, deren Tragweite sowie Erkärungsansätze aufzufinden und niederzuschreiben.“
    Ihr Engagement macht mir Mut, bei meinen Nachforschungen weiterzumachen.
    Über die Kontaktanschrift melde ich mich.
    Herzliche Grüße
    Joseph Kleine

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